Sushi Express

Sushi
Express

von Walter Sorger

“Sushi-Express” ist ein Würfelspiel mit mathematischen Anwandlungen. Die Spieler
würfeln reihum mit zwei Würfeln, bewegen ihren einzigen Pöppel um das Spielbrett herum und
versuchen dabei, möglichst schnell das Spielfeld zu umrunden, weil sie wie bei Monopoly für jede
Runde einen Bonus bekommen. Soweit ist das alles ein reines Würfelspiel. Bei Monopoly ist das schon
fast alles, in “Sushi-Express” jedoch erst ein Bruchteil der Wahrheit.

Vor dem Würfeln müssen die Spieler tippen, welche Würfelsumme sie mindestens erzielen
werden. Dabei müssen alle Spieler verschiedene Summen nennen. Wer zuerst kommt, mahlt
zuerst. Wer in der vorherigen Runde die niedrigste Zahl getippt hat, darf jetzt anfangen. Durch
Bescheidenheit (oder Taktik) in der Vergangenheit gewinnt man ein Privileg für die Zukunft.

Nach dem Tippen fängt der Spieler mit der höchsten Nenn-Summe an zu würfeln. Er hat zwei
Versuche, die getippte Zahl zu erreichen. Gelingt ihm das nicht, so muss er diese Runde
aussetzen und der Spieler mit der nächst höheren Nenn-Summe kommt zum Würfeln dran. Erreicht er
aber die getippte Zahl, so dürfen er und alle anderen Spieler ebenfalls ziehen, d.h. der
erste erfolgreiche Würfler befreit die gesamte nachfolgende Spielerschar vom Fluch des hohen Tipps.
(Kleiner Hinweis für die Nicht-Kopfrechner: Die Wahrscheinlichkeit, bei 2 Versuchen mit 2 Würfeln
mindestens eine Würfelsumme von 10 zu erreichen ist nur etwa 30 %, für die Würfelsumme 7 beträgt
sie bereits knapp 83%.)

Jeder zieht so viele Felder vorwärts, wie er getippt hat. Also nicht die gewürfelte, sondern die
getippte Zahl entscheidet über die Vorwärtsbewegung. Normalerweise freut man sich über jedes
zurückgelegte Feld, denn umso schneller hat man das Spielfeld umrundet und bekommt dafür eine
“Kundenkarte”, die bei Spielende in Siegpunkte umgerechnet wird. Doch unterwegs gibt es
ein bestimmtes Spielfeld, “Park” genannt, das eine Belohnung vergibt, wenn man es mit
seinem Zug ganz genau erreicht: der Spieler bekommt damit eine “Aktionskarte”, mit der er
später bei seinem Würfelergebnissen oder bei seiner Vorwärtsbewegung etwas manipulieren darf. So
en-passant sollte man auf jeden Fall versuchen, diesen Bonus mitzunehmen.

Beim Vorwärtsziehen werden allerdings die Pöppel der Mitspieler übersprungen. Deshalb ist es
keineswegs ein Kinderspiel, die Felder bis zum “Park” auszurechnen und zu tippen. Man
muss exakt einkalkulieren, ob sich vorher noch ein Mitspieler dazwischen setzen oder ein anderen
wegziehen wird. Außerdem muss man für den “Park” natürlich der erste Spieler sein, der
hier landet, weil anschließend das Feld für diese Runde blockiert ist.

board

Fazit: In Sushi ist der Würfel zwar der Motor des Ganzen, doch bei Tippen und Vorwärtsziehen
steht man in ständigem Kampf gegen die Wahrscheinlichkeiten und gegen die Ambitionen seiner
Mitspieler:

  • Wer darf als erster tippen und sich so eine nützliche und zugleich aussichtsreiche Würfelsumme
    auswählen?
  • Welche “Kundenkarten” stehen zu Auswahl? Welche Karte bringt mir die meisten Punkte?
    Welche Mitspieler haben ebenfalls bereits ein Auge darauf geworfen? Bekomme ich auch als Nachzügler
    ggf. auch noch eine akzeptable Karte oder muss ich mich unbedingt weiter vorne in der
    Zugreihenfolge platzieren?
  • Wer möchte unbedingt als erster ziehen und muss sich somit eine riskantere Würfelsumme
    auswählen?
  • Wer wird mich auf dem Weg zum “Park” überholen, wer wird wegziehen? Ist der Park
    vielleicht sogar noch von einem Mitspieler blockiert, der erst nach mir ziehen wird?
  • Soll ich bewusst eine kleine Zahl tippen, um die “Park”-Berechnungen meiner
    Mitspieler zunichte zu machen? Oder um bei den nächsten Tip-Runde das Recht der ersten Zahl zu
    bekommen?

Je mehr Mitspieler es gibt, desto umfangreicher sind die notwendigen Erwägungen für ein
erfolgreiches Spiel. Und desto unsicherer sind die Ergebnisse diese Erwägungen. Und desto mehr
Schadenfreude kommt auf – bei den anderen -, wenn man gerade mal wieder so richtig
danebenliegt.

Alles in allem ein sehr gelungenes Chaos-Spiel mit einer Tendenz zu Logik und Ordnung. Für die
großen Spieler ein lustiger Absacker, und eine hübsche Zerstreuung für Jung und Alt.