Spielbericht vom 11.02.2004

Spielbericht vom 11.02.2004

Autor: Walter

am Tisch: Günther, Hans, Peter, Walter

auf dem Tisch: Attika, Piraten & Papageien, Zauberschwert und Drachenei


Attika
Autor Marcel-André Casasola-Merkle
Verlag Hans im
Glück
erschienen 2003
Spielerzahl 2 – 4
Spielzeit 60 Minuten

Attika

Es war klar, daß wir mit einem “Attika” den Abend beginnen mußten. Wir
hatten dieses Spiel gerade zu unserem ersten “Spiel des Monats” gekürt und es
war immer noch in Diskussion, ob dieses Spiel unausweichlich deutliche Kingmaker-Züge
aufwies oder nicht.

Der Sieg fällt hier in der Regel recht knapp aus, und die Spieler in den hinteren
Rängen haben keine Chance mehr auf die Siegespalme. Deshalb können sie mit ihren
“Füllzügen” durchaus einen der beiden Führenden gewollt zum Thron verhelfen
können, ohne damit ihre eigene Rangfolge zu beeinflussen. Diese Eigenschaft von Attika
ist in unserem Meinungsbild noch nicht entschieden. Warten wir dazu Aarons Analyse
ab.

Attika

Bei uns versuchte sich Peter als Startspieler im Mittelfeld auszubreiten und damit das
Endspiel auszusitzen. Ich setzte als Zweiter meine erste Dorfgründung ziemlich in den
Sand: Für ein paar verlockende Rohstoffe baute ich ein paar aussichtslose End-Plättchen
irgendwo auf das Spielfeld und konnte anschließend nur noch auf das Wunder hoffen, mit
Super-Plättchen eine Tempelverbindung zustande zu bringen. Günther und Hans gingen
vorsichtig am mittleren Rande ans Werk und steuerten dann zielstrebig die
Tempelverbindung an. Mehrmals mußten sie sich aufwendig die Siegesstrecke verbauen, bis
Hans die Lust und die Mittel dazu ausgingen und Günther den Sieg davontrug. Diesmal
garantiert ohne jede Kingmakerei!


Piraten und Papageien
Autor Holger Marckwardt
Verlag Europäische Spielesammler Gilde
erschienen 2003
Spielerzahl 2 – 4
Spielzeit 30 Minuten

Piraten & Papageien

Dieses kleine aber feine Spiel ist die Jahresgabe 2003 der “Europäischen
Spielesammler Gilde” (ESG), eines kleinen aber erlesenen Vereins zur “Förderung
des Kulturguts Spiel und zur Erforschung seiner Geschichte sowie des gegenseitige
Erfahrungsaustausches bei der Erfassung und Sicherung des europäischen und
internationalen Spiele-Erbes”. Die knapp hundert Mitglieder dieses Vereins bekommen
ein Spiel geschenkt. Die restlichen Stücke der 300-er Auflage werden auf dem freien Markt
verkauft, um mit dem Erlös die Ziele des Vereins zu fördern. Schaut euch mal um,
vielleicht sind sogar noch ein paar Exemplare dieses Spieles zu haben; es lohnt sich.

“Piraten und Papageien” besteht aus

  • einem Spielbrett, das eine Meeresoberfläche mit kleinen Inseln aufzeigt
  • Holzschiffchen, mit denen die Piraten darauf herumsegeln
  • runden Holzchips als Papageien, die über das Meer fliegen und dabei von den Piraten
    eingefangen werden sollen
  • Segelkarten, nach denen Kurs und Entfernung eines Piraten-Turns bestimmt werden, und
  • einem Würfel, mit dem die Einflugschneise neuer Papageien und die Windrichtung
    bestimmt wird.

Die Papageien kommen an zufälligen Positionen aufs Spielbrett. Sie fliegen dann auf
einer fest definierte Linie mit einer fest definierten Geschwindigkeit von einem Rand zum
anderen. Wenn ihre Fluglinie den Kurs eines Piratenschiffs kreuzt (oder umgekehrt),
werden sie vom Piraten gefangengenommen.

Piraten und Papageien Spielbrett

Die Piraten setzen zu Spielbeginn ihre Schiffchen nach freier Wahl auf die
Meeresoberfläche und bewegen sich anschließend gemäß der gezogenen Segelkarten. Diese
stellen ein ganz eigenes Spielelement dar. Jede trägt eine Kurslinie aufgezeichnet, die
sich über 1 bis 5 Felder erstreckt, und die nach der jeweils ausgewürfelten Windrichtung
ausgerichtet wird. Jeder Spieler zieht pro Runde verdeckt 2 Segelkarten und alle Spieler
decken gleichzeitig die gezogenen Segelkarten auf. Jetzt geht es darum, möglichst schnell
unter allen aufliegenden Karten diejenige herauszufinden, die für die eigenen Ziele, d.h.
für den Fang der meisten Papageien, am besten geeignet ist.

Dabei gilt es eine ganze Reihe von Unbilden zu vermeiden. Wenn man mit seinem
Schiffchen über ein Feld mit einer Insel fährt, so bekommt man keinen Papagei, im
Gegenteil, man verliert man einen. Fährt man mit seinem Schiffchen über ein Feld, auf dem
bereits ein fremdes Schiffchen steht, so muß der Spieler mit der größeren Fahrtstrecke an
den mit der kürzeren Fahrtstrecke einen Papagei abgeben. Schließlich kostet so ein langes
Segelmanöver ja Kraft und Konzentration.

Dieser Piraterie-Effekt trägt aber ganz eindeutig friedliche Züge. Nicht wer am
schnellsten hinter einem anderen herjagt, bekommt die Beute, sondern wer brav und
gemächlich vor sich hinschippert, dem müssen die hektischen Überholer einen Papagei in
den Schoß werfen.

Man muß bei der Auswahl der Segelkarten ganz genau ausrechnen, wo die Papageien zu
holen sind, wo die lästigen Inseln warten und wo die trägsten Piraten herumlungern. Ein
lukratives Fanggebiet nur ungefähr anzupeilen, bringt mit Sicherheit ein böses Erwachen.
Ein allzu akribisches Ausrechnen sollte aber mittels Sanduhr zeitlich begrenzt werden,
damit der flotte Charakter des Spieles auch hier erhalten bleibt.

Piraten & Papageien bringt so eine schnelle, konstruktive Spielfreude mit sich.
Bis auf unseren Grübler waren wir alle davon angetan. Viel mehr, als unser ESG-Mitglied
Günther zu versprechen gewagt hatte. Wie gesagt, schaut euch mal um, vielleicht könnte
ihr noch eines von den Rest-Exemplare ergattern.

WPG-Wertung: 6,25


Zauberschwert und Drachenei
Autor Jochen Schwinghammer
Verlag Adlung-Spiele
erschienen 2003
Spielerzahl 2 – 4
Spielzeit 45 Minuten

Zauberschwert & Drachenei

Dieses Karten-Ersteigerungsspiel um Zaubersprüche und Artefakte, um Magier und Macht,
hätte eigentlich gut zu unserem Ober-Orc gepaßt. Moritz mußte aber mal wieder eine
Meisterklasse geben. So waren die drei einhalb Mathematiker ohne ihren Spiritus Rector
und fanden sich als simple Krämer um Geld und Punkte wieder.

Egal wie man das Kind beim Namen nennen will, es werden Karten ersteigert, damit
Machtpunkte und Einflußpunkte zusammengetragen, und wer am Schluß auf dem größten Haufen
sitzt, hat gewonnen. Soweit kein weltbewegendes Ereignis.

Zauberschwert und Drachenei

Bei uns war der Spielausgang nur deshalb bemerkenswert, weil Peter hier eine
Kingmakerei wahrzunehmen glaubte und damit unsere aktuelle Attika-Diskussion aufleben
lies. Hans hatte ihm in der letzten Runde – obwohl es ihm selbst keinen Vorteil mehr
brachte – mit einem Zauberspruch einen Magierpunkt geraubt. Dadurch mußte Peter die
letzte Machtkarte kampflos Günther überlassen und verlor seinen Spitzenplatz. War das nun
Kingmakerei von Hans oder nicht?

Hans hätte aus den aktuellen Randbedingungen der Spielsituation heraus nur Peter einen
Magierpunkt abnehmen können, aber keinem anderen Spieler. Es ging für ihn also nur darum,
seinen Zauberspruch umzusetzen und Peter den Punkt zu rauben oder auf dieses
Gewohnheitsrecht zu verzichten. Peter saß schon längst grollend in der U-Bahn als wir
drei hinterlassenen Scharfrichter zum Urteil kamen, daß ein Verzicht wesentlich
deutlicher Kingmakerei gewesen wäre als das natürliche Wegnehmen des Punktes. Eine
Revision ist zugelassen.

WPG-Wertung: 5,0