von Aaron am 29.07.2006 (739 mal gelesen, 2 Kommentare)

Moritz' Schrei gellte durch die heisse Sommernacht und die Nachbarn im Buschrosenweg fragten sich, welches spannende Fu├čballspiel sie denn gerade verpassen.

Auf dem Tisch lag Urs Hostettlers neues Spiel “Millionen von Schwalben”, in dem wir die Fu├čball-Europameisterschaft von 2000 wieder aufleben liessen. 16 Mannschaften k├Ąmpfen gegeneinander, zuf├Ąllig auf die f├╝nf Trainer (Spieler) verteilt, die deren Spieltaktik und Spielz├╝ge steueren. Aber es geht prim├Ąr gar nicht um gekonnte Dribblings oder scharf geschossene Steilp├Ąsse, sondern darum durch geschickte Manipulationen des Spielergebnisses und gezielte Bestechungen des Schiedsrichters diejenigen Mannschaften in die Finalrunden zu bringen, auf die man zu Beginn sein Geld gewettet hat. Wem Wetten nicht liegt, der kann immer noch – mit ├Ąhnlichen Siegchancen – versuchen, die von ihm trainierten Mannschaften in die Finals zu bringen, um satte Trainerpr├Ąmien zu kassieren.

Die Vorrunde mit ihren 24 Spielen zog sich deutlich hin, auch weil die Spielregeln nicht immer intuitiv sind (mal sind hohe W├╝rfelergebnisse gut, mal niedrige). Es gibt einiges zu ├╝berlegen, wenn eine der eigenen Mannschaften spielt und es ist nicht immer leicht zu entscheiden, ob man weiterhin auf Sieg spielt und dabei durch den Dauereinsatz die Mannschaft soviel Kraft verliert, dass sie in der n├Ąchsten Runde extrem geschw├Ącht antritt. Oder reicht ein Unentschieden f├╝r den Gruppensieg? Hier hilft das Spielmaterial wenig, denn die ewige Rechnerei, wer in der Vorrunde nun weiter kommt, h├Ąlt nur zus├Ątzlich auf.

Nach zweieinhalb Stunden stand dann der Europameister fest (Russland!), genauso wie Peter als Sieger, der mit seinen vielen richtigen Wetttipps gen├╝gend Geld machte, um vor allen anderen deutlich davon zu ziehen.

Die Reaktionen nach Spielende waren verhalten: etwas zu lang war die Vorrunde, um zum baldigen Wiederspielen zu reizen, aber die Mechanismen des Spiels sind stimmig und typisch “Hostettlerisch”, wenn auch in keiner Weise eine Simulation echter Fu├čballspiele (z.B. wird auch eine noch so starke Mannschaft nicht mehr als einen Torabstand von 2 Toren erspielen, da das nur unn├Âtig Kraft kostet und keine Vorteile bringt).

Die Punkte: Moritz 6, G├╝nther 6, Aaron 6. Peter und Loredana waren bei der Punktabgabe wie so oft schon wieder in Panik zur U-Bahn aufgebrochen und liefern ihre Punkte nach.


2 Reaktionen zu “27.07.2006 – Tooor!!!”

  1. Peter

    Tjaaaa… Es ist nat├╝rlich eine sch├Âne Sache, siegreich den Spielabend zu verlassen. Aber bei diesem Spielchen hatte das einen sehr schalen Beigeschmack. Warum habe ich gewonnen?

    Nun, es gab 16 Teams f├╝r 5 Spieler, d.h. alle hatten drei, und einer hatte vier, und das war ich (nicht mal gew├╝rfelt, ├╝brigens — ich sa├č links von Aaron, und der gab einfach die Karten aus :grins).

    Ein Team mehr macht extrem viel aus. Man kann in jeder Gruppe mitmanipulieren (d.h. entweder wissen, dass man selbst weiterkommt, oder doch das Team eines anderen so unterst├╝tzen, dass der weiterkommt). Wenn zwei eigene Teams in der KO-Runde aufeinandertreffen, ist das unbezahlbar (kein Kartenverlust). Wenn die Teams weiterkommen, gibt's Belohnungen. Mit 4 Teams krieg ich halt potentiell mehr Belohnungen (war ├╝brigens auch so: 3 kamen in die KO-Runde, soviele schaffte keiner mit 3 am Anfang).

    Warum wurde Russland Meister? Ich sah am Anfang, dass rote Karten oben liegen, und k├Ąmpfte verbissen um den Sieg. Das zahlte sich aus. Russland zog “sicheres Tor, Gegner kann nur am Abseits abwehren”, und mit dieser Karte gewann ich die KO-Runde mit lauter 1:0-Siegen. Tjaaaa….

    Damit ich's nochmal spielen w├╝rd':

    – m├╝ssten es 8 Spieler f├╝r 16 Mannschaften sein
    – m├╝ssten die Mannschaften nicht verlost, sondern in einem seri├Âsen Paket (also jeder hat was Starkes und was Schwaches) ausgegeben werden
    – m├╝ssten ein paar ├╝berm├Ą├čig starke Karten aus dem Spiel

    So will ich's eigentlich nicht nochmal spielen, ergo 4 Punkte.

  2. Aaron

    Deine “├Ątzende” Kritik ist sicherlich gerechtfertigt, denn es scheint ja wirklich so zu sein, dass derjenige mit der Mannschaften-Mehrheit die besseren Chancen hat. Schlussfolgerung w├Ąre, dass Spiel nur mit einer 4/8/16 Spielern zu spielen, was dann in der Praxis auf ein 4-Spielerspiel hinausl├Ąuft, da bei 8/16 Spielern die Wartezeit einfach zu lang ist.

    Eine “gerechte” Verteilung der Mannschaften unter den Spielern zu Spielbeginn ist aber glaube ich nicht ganz so einfach wie Du schreibst. Starke Mannschaften sind die, die viele gute Karten haben und nicht unbedingt die, die nur einfach viele Karten haben (bei z.B. ausschliesslich Defensivkarten ist was besseres als ein Unentschieden in der Vorrunde halt nicht drin).

    Die Kartenverteilung haben wir m.E. nicht genug w├Ąhrend des Spiels ber├╝cksichtigt (ich zumindest nicht), denn es wurde zu oft eine starke “rote Hand” ├╝bersehen. ├ťberhaupt sind die roten Spezialkarten – wie Du richtig schreibst – oft zu stark, insbesondere, da sie in jedem Spiel einmal eingesetzt werden k├Ânnen. Hier w├Ąre es sicherlich besser, wenn nur die L├Ąnderspezialkarten mehrfach verwendet werden k├Ânnten, um einfach den Gl├╝cksfaktor beim Nachziehen einzuschr├Ąnken.

    Ich halte Deine 4 Punkte f├╝r zu wenig und w├╝rde selber sogar mehr als 6 Punkte geben, w├Ąre die Vorrunde nicht so langatmig. Dann k├Ânnte “Millionen von Schwalben” ein kurzweiliges 1-Stundenspiel f├╝r Fu├čballfans sein, mit dem Hostettlerschen Gl├╝cks- und Chaosfaktoren, die wir schon von Kreml kennen.