von Walter am 29.10.2009 (2.044 mal gelesen, keine Kommentare)

Aaron, G├╝nther und Moritz sind aus Essen zur├╝ck. Die Spielmesse wird von Jahr zu Jahr gr├Â├čer, voller und gigantischer. “Wie war die Stimmung?” Besser als letztes Jahr, wo die Wirtschaftskrise gerade zum Durchbruch kam. Wenn die Leute weniger Geld f├╝r Vergn├╝gen und Gastronomie ausgeben, dann bleiben sie zu Hause und spielen auch h├Ąufiger. Inshallah!
1. “Im Wandel der Zeiten – Das W├╝rfelspiel”
Ein W├╝rfelspiel zum Erw├╝rfeln von weiteren W├╝rfeln, zum Erw├╝rfeln des Rechts auf Erneutes-W├╝rfeln, zum Erw├╝rfeln von Ertr├Ągen an Waren und Nahrungsmitteln und zum Erw├╝rfeln von erh├Âhten Ertr├Ągen bei Waren und Nahrungsmitteln. Dieses Prinzip ist von “Um Krone und Kragen” her bestens bekannt, allerdings ist die Aufmachung etwas pfiffiger, jeder hat das Gef├╝hl, er sei seines Gl├╝ckes Schmiedchen und recht z├╝gig – in 30 Minuten – ist ein Spiel ├╝ber die Runden gebracht.
Unser Moritz hatte die Gewinn-Strategie als erstes durchschaut: Die h├Âchste Priorit├Ąt beim W├╝rfeln hat die Erh├Âhung der W├╝rfelzahl, mit denen man ab der n├Ąchsten Runde w├╝rfeln darf, dann erst mu├č man sich um die siegpunkte-tr├Ąchtigen W├╝rfelergebnisse k├╝mmern. Am Ende ergibt sich der Sieg aus der Summe aller Errungenschaften, die man sich im Laufe des Spiels erw├╝rfeln konnte.
Zum Spielmaterial geh├Ârt ein h├╝bsches Holzbrett auf dem jeder Spieler seinen Besitzstand an Waren und Nahrungsmitteln markieren kann. Weiterhin bekommt jeder ein ausgefeiltes Formularblatt, auf dem er seine Errungenschaften notieren kann. Didaktisch gelungen und ├╝bersichtlich. Aber halt nur ein W├╝rfelspiel.
Frage am Rande: Ist im Grunde nicht auch der Massenanziehungssport Fu├čball nur ein W├╝rfelspiel? Man betrachte nur das Pokal-Ergebnis zwischen der Spielvereinigung Greuther F├╝rth – und dem Schwabenstolz VfB.
WPG-Wertung: Moritz: 8 (schnell und gelungene Thematik), Aaron: 6 (schnell, sucht noch die Thematik), Walter: 6 (schnell, sucht auch noch die Thematik).
2. “Tammany Hall”
Wir sind New Yorker Aborigines auf der S├╝dspitze von Manhattan und m├╝ssen den Einwandererstrom auf unsere politische Seite ziehen, damit wir B├╝rgermeister werden und Siegpunkte verbuchen k├Ânnen.
Ein Spiel besteht aus 4 Phasen (“Amtszeiten”) zu je 4 Z├╝gen (“Jahren”). Einwanderer verschiedener Nationalit├Ąt tauchen vor der K├╝ste auf, und wir d├╝rfen pro Zug zwei P├Âppel (“Bezirksbosse unserer Partei”) auf beliebige Regionen in Manhattan setzen oder einen Einwanderer-Kubus in unsere Region lassen und daf├╝r einen Einwanderer-Bonus kassieren.
Alle 4 Jahre wird gewertet, wer in einer Region die meisten Bezirksbosse sitzen hat und wer von den verschiedenen Einwanderer-Nationen jeweils die meisten auf seine Seite gezogen hat. Entsprechend werden Siegpunkte verteilt.
Gegen die Bezirksbosse der Mitspieler d├╝rfen wir Verleumdungskampagnen entfachen. Der Verleumdete kann sich nicht wehren, sondern ist unweigerlich ein toter Mann; allerdings mu├č der Verleumder daf├╝r einen Einwanderer-Bonus abgeben, so da├č sich die Vor- und Nachteile auf beiden Seiten ziemlich ausgleichen. Nur der unbeteiligte dritte und vierte Mitspieler kommt ungeschoren davon. Klares Prinzip: Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte.”
Dieses Prinzip ist nat├╝rlich kontraproduktiv zum naheliegenden und gewollten Verleumdungskampf gegen den politischen Gegner. Ein wichtiges Spielelement schadet dem, der es anwendet und dem, gegen den es angewendet wird. Das erscheint zweifellos als eine Schw├Ąche des Spiels. Unsere L├Ąmmer Aaron und Walter gingen sich gegenseitig wie die W├Âlfe an die Wolle und unser Wolf Moritz spielte friedlich wie ein Lamm und konnte so haushoch gewinnen.
Moritz ├╝bernahm ab der zweiten Amtsperiode den B├╝rgermeisterposten und gab Walter einen lukrativen Unterposten innerhalb der Administration. Hocherfreut nahm Walter den Posten an und bot Moritz gleich einen Deal an: “Wenn Du mir in der n├Ąchsten Amtsperiode den gleichen Posten gibst, greife ich Dich in dieser Amtperiode nicht an!” Moritz sagte bedenkenlos zu. Da ereiferte sich Aaron: “Das ├Ąrgert mich jetzt richtig! Moritz, das ist dumm, was Du jetzt machst! Das ist Kingmakerei!” Dabei half Moritz mit seinem Eingehen auf diesen Nichtangriffspakt nicht einem Dritten auf dem Thron, sondern er sicherte sich seinen eigenen Thron und verhalf Walter damit nur auf den zweiten Platz. Also war das h├Âchstenfalls Queenmakerei. “Honi soit qui mal y pense!”
WPG-Wertung: Aaron: 7 (wie “El Grande” komplex), Moritz: 6 (reizt nicht zum Wiederholen; wie “El Grande” simple), Walter: 7
3. “Fzzzt!”
Der Name soll an den Zischlaut erinnern, wenn ein elektrischer Funke ├╝berschl├Ągt. Auf der Schachtel steht als Kurzbeschreibung: “A futuristic robot auction game with some dodgy mechanics”, auf Babelfish-Deutsch: “Ein futuristisches Roboterauktionspiel mit einigen zweifelhaften Mechanikern”.
Ein Kartenspiel zum Ersteigern von Karten, mit denen man erstens Siegpunkte gewinnt oder mit denen man zweitens seine Kartenhand laufend verbessert. Also quasi ein Biet-Dominion.
Im eingeschwungenen Zustand darf sich jeder Spieler 6 Auktionskarten aus seiner Kartenhand ausw├Ąhlen und damit auf ausliegende Karten bieten. Verdeckt bieten! Dieses Bietchaos ist der ganze Witz des Spiels. Immerhin. Wer am Ende die beste Kombination von Karten ersteigert hat, ist Sieger.
WPG-Wertung: Aaron: 5 (aus ├ärger ├╝ber seinen grottenschlechten ersten Zug, der seinen Totalverlust besiegelte, Moritz: 7 (besitzt Lerneffekt; beim n├Ąchste Mal w├╝rde ich manches anders spielen), Walter: 6 (ganz lustig, mag aber keine blinden Auktionsspiele)


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