von Walter am 24.05.2012 (3.007 mal gelesen, 18 Kommentare)

Die Nominierungsliste zum ÔÇ×Spiel des Jahres 2012ÔÇť ist erschienen und wir haben nur eines davon (Kingdom Builder) mit m├Ą├čigem Erfolg ausprobiert. Kein Wunder, unser Metier ist ja wohl eher das ÔÇ×Kennerspiel des JahresÔÇť. Hier sind wir immerhin bei 2 von 3 Spielen am Ball gewesen.
Aaron forderte schon im Vorfeld auf, f├╝r heute alles mitzubringen, was ein jeder vom Rest der SdJ-Kandidaten bereits im Regal hat. Insbesondere hatte er dabei an den 2012-Favoriten ÔÇ×VegasÔÇť gedacht. Doch G├╝nther lehnte – ungew├Âhnlich kritisch – entschieden ab ÔÇ×Das ist nichts f├╝r uns!ÔÇť Er hat zwar prinzipiell nichts gegen W├╝rfelspiele, wenn aber die Dynamik w├Ąhrend des Spiels st├Ąndig nur sinkt und die Entscheidungsm├Âglichkeiten immer eingeschr├Ąnkter werden, scheint ein Konstruktionsprinzip verkehrt herum angewandt worden zu sein. Die Jury wirdÔÇÖs schon wissen.

1. “Poison”
Der Schock vom Chelsea-Spiel sa├č noch tief in den Knochen und Horst w├╝nschte sich ein Warming-Up. Da kam ÔÇ×PoisonÔÇť gerade recht, schon vor drei Jahren von uns zum ÔÇ×Spiel des MonatsÔÇť gew├Ąhlt.
In einem h├╝bschen flotten Kartenspiel spielen wir unsere Kartenhand ab, indem wir jeweils eine Karte (drei Farben + eine Jokerfarbe) an ausliegende Farbstapel anlegen. Wenn durch die von uns zugegebene Karte der Wert eines Stapels die 13 ├╝bersteigt, m├╝ssen wir diesen Stapel nach der Art von ÔÇ×6-nimmtÔÇť an uns nehmen. Am Ende z├Ąhlt jede ÔÇ×gewonneneÔÇť Farbkarte einen Minuspunkt, die Jokerkarten sogar zwei Minuspunkte. Nur bei der Kartenfarbe, von der wir mehr Karten als alle Mitspieler haben, kommen wir ungestraft davon.
Kartenpflege wird ganz gro├č geschrieben. Dabei sind verschiedene Alternativen m├Âglich:

  • Karten mit hohen Werten zuerst loswerden! (Oder lieber die niedrigen Werte zuerst?)
  • M├Âglichst viele Optionen offen halten, d.h. alle Kartenfarben gleichm├Ą├čig loswerden und von jeder Farbe m├Âglichst viele verschiedene Werte behalten! (Oder vielleicht doch lieber m├Âglichst schnell eine Farbe frei-spielen?).

Moritz verriet uns hinterher seine Siegesstrategie:

  • Jokerkarten so lange wie m├Âglich behalten.
  • Die Karten von einer Farbe m├Âglichst umgehend loswerden.
  • Danach die Joker grunds├Ątzlich zu der Farbe legen, von der man nichts mehr auf der Hand hat!

Diesmal war das erfolgreich. Ein mathematischer Beweis f├╝r die Stichhaltigkeit dieser Theorie wird wohl nicht erbracht werden. Und der n├Ąchste Praxistest steht erst nach dem n├Ąchsten verlorenen Endspiel in der Champions League an.
WPG-Wertung: Die drei mal 7,33 Punkte von G├╝nther, Moritz und Walter wurden best├Ątigt: Aaron: 7 (schnell erkl├Ąrt, locker gespielt, unterhaltsam), Horst: 7 (sehr unterhaltsam).

2. “Aquileia”
ÔÇ×AquileiaÔÇť ist nach Wikipedia heutzutage eine Stadt in der italienischen Provinz Udine mit 3493 Einwohnern. Vor 2000 Jahre war es eine gro├če Stadt im r├Âmischen Reich. In ihr bl├╝hten Handel und Kunsthandwerk, der Hafen brachte Reichtum, eine monumentale Arena f├╝r Gladiatorenk├Ąmpfe entstand, und im Stadion fanden spannende Wagenrennen zu Pferde statt. In diese Szenerie hat der Spielautor Cielo dÔÇÖOro 22 Arbeitspl├Ątze verteilt, die wir uns in Konkurrenz mit unseren Mitspielern unter den Nagel rei├čen m├╝ssen:

  • Auf dem Markt decken wir uns mit Waffen, Pferden und Sklaven ein.
  • In der Arena k├Ąmpfen wir mit Waffenst├Ąrke und Sklaven-Unterst├╝tzung gegen die entsprechende Ausr├╝stung unserer Mitspieler. Es geht allerdings nicht um Alles-oder-Nichts, sondern nur um Viel-oder-ein-bi├čchen-Weniger.
  • Im Stadion treten wir gegen die Pferde der Konkurrenz an. Auch hier werden alle Teilnehmer allein f├╝r ihre Teilnahme mehr oder weniger reichlich bedacht.
  • Auf dem Forum holen wir uns die Baugenehmigung f├╝r Villen, Handswerksbetriebe und Warenh├Ąuser.
  • Via Hafen erzielen wir Sofort-Siegpunkt-Zinsen f├╝r unser aktuelles Besitztum.
  • Im Theater er- oder ver-steigern wir Multiplikator-Karten, mit denen unser Besitztum am Ende effizient in Siegpunkte umgesetzt wird.
  • Daneben gibt es einen legalen Betr├╝ger, der auf krummen W├╝rfel-Wegen sein Bargeld vermehrt, es gibt einen Geldwechsler, der Euros in Dollar oder chinesische Renminbi wechselt. Und es gibt einen Taschendieb, der im Hafen sein Unwesen treibt.

Alles ist sehr sch├Ân komponiert und erlaubt bzw. erfordert die Beachtung vieler Abh├Ąngigkeiten im Aquileiischen Stadt-Leben. Damit in das gewaltige Plan- und Optimierungswerk aber noch eine spielerische Linie hineinkommt, sind an allen Ecken und Enden Zufallseffekte eingef├╝gt. Die Ertr├Ąge im Waffen und Sklavenhandel schwanken um bis zu 300 Prozent. Ohne dass man das vorhersehen kann. Zur Wettkampfst├Ąrke der Spieler in Arena und Stadion kommt grunds├Ątzlich noch ein Zusatzanteil von potentiell einigen 100 Prozent, der per W├╝rfelwurf ausgew├╝rfelt wird. Auch der Erfolg von Betr├╝ger und Dieb wird ├╝ber W├╝rfel entschieden.
Horst fragte sich (verzweifelt?): ÔÇ×Was hat sich der Autor bei allen diesen Zufallselementen eigentlich gedacht?ÔÇť Aaron wu├čte die Antwort: ÔÇ×Er ist halt ein Italiener!ÔÇť Und Walter schob nach: ÔÇ×Wes Geistes Kind er ist, kann man schon an der simplen Reihenfolge der Aktionen in der Arena erkennen: Jeder Deutsche h├Ątte zuerst w├╝rfeln lassen und dann das Defizit durch nachgeschobene Waffen- und Sklavenkarten ausgegleichen lassen. DÔÇÖOro zwingt die Spieler dazu, zuerst ihren Waffen- und Sklavenbesitz auf Nimmerwiedersehen zu investieren, und dann per W├╝rfelwurf nachzuschauen, ob es zum Sieg gereicht hat. Manche m├ÂgenÔÇÖs hei├č. Doch die anderen verbrennen sich beim oralen Genuss die Zunge.
WPG-Wertung: Aaron: 4 (z├Ąh, zu lange Spieldauer f├╝r den hohen Gl├╝cksanteil), G├╝nther: 5 (vom Herzen her 1 Punkt mehr als vom Verstand: Die Mechanismen sind gut.), Horst: 7 (es macht Spa├č, es gibt super Verzahnungen, das Setzen ist anstrengender als bei ÔÇ×VillageÔÇť), Moritz: 4 (ohne K├Ąmpfe und Rennen kann man nicht gewinnen, und gerade hier ist das Gl├╝ckselement besonders gro├č), Walter: 4 (ohne die dominierenden Zufallseffekte h├Ątte das Spiel das Potential zu 7 Punkten.).
Ein neuer Justizfall in unserer Geschichte: Im Laufe des Spiels erkannten wir eine falsche Regelhandhabung: Auf den drei Arbeitspl├Ątzen im Hafen darf sich jeder Spieler nur h├Âchstens einmal bet├Ątigen. Horst hatte es richtig erkl├Ąrt, doch dieses Detail war untergegangen. Als Horst diese Regel sp├Ąter noch einmal klarstellte und wir uns danach richten sollten, legte Moritz Widerspruch ein: ÔÇ×Ich habe meine ganze Potenz auf die Villen-Hafen-Schiene gesetzt. Wenn wir jetzt diese Regel richtig spielen, breche ich das Spiel sofort ab!ÔÇť Aaron protestierte sanft, Walter heftig; ihm h├Ątte es auch nichts ausgemacht, das Spiel an dieser Stelle zu beenden.
Hallo, liebe Vielspieler, wie w├╝rdet ihr diese Situation l├Âsen?
Heute gab es in unserem Konflikt gl├╝cklicherweise noch eine Trivial-L├Âsung, ohne dadurch einen Pr├Ązedenzfall zu schaffen. Wir spielten ohne klare Entscheidung weiter. Nachdem die Bedeutung der Hafenertr├Ąge erkannt war, engagierte sich jeder Spiel umgehend auf diesem Gebiet, so dass ohnehin nur drei der f├╝nf Spieler sich einen (einzigen) Platz reservieren konnten.

3. “Bluff”
Auch hier ereignete sich in der Jahrzehnte langen Geschichte des Westpark-Bluffens ein Novum: Im 2:2:1-Endspiel legte G├╝nther 2 mal die F├╝nf vor. Sicherlich war eine von G├╝nthers beiden W├╝rfeln eine F├╝nf. Aber mit welcher Wahrscheinlichkeit waren unter den restlichen drei W├╝rfeln auch noch mindestens eine F├╝nf? Seine eigene Nicht-F├╝nf konnte Moritz ja ablesen, aber wie stand es mit AaronÔÇÖs zwei W├╝rfeln? Fragende Blicke und ein leichtes Kopfsch├╝tteln gaben den Ausschlag. Moritz zweifelte an und G├╝nther war einen W├╝rfel los.
Auf ausdr├╝ckliche Bitte des Gesch├Ądigten erhalten hiermit Aaron und Moritz einen R├╝ffel wegen unzul├Ąssiger Absprache. Ludens causa.
Keine neue WPG-Wertung f├╝r ein Super-Spiel.


18 Reaktionen zu “23.05.2012: Spiele des Jahres, des Monats und nationale Vorlieben”

  1. Horst

    Es stimmt nicht, da├č bei Aquileia zuerst die Karten bei den K├Ąmpfen ausgespielt und dann erst gew├╝rfelt wird.

    Die Reihenfolge ist: Bestimmung der St├Ąrke durch die besetzten Pl├Ątze, DANN: w├╝rfeln mit allen 3 roten W├╝rfeln, DANN: Auslegen der Karten, DANN: w├╝rfeln der blauen W├╝rfel, die aber nur f├╝r einen Spieler gelten und er sich in einer extra Aktion vorher holen musste und die er auch zwischen Stadion und Arena aufteilen kann!

  2. Walter

    OK, OK, lieber Horst, meine (und unsere allgemeine) Kritik bezieht sich auf die Reihenfolge beim Nutzen der blauen W├╝rfel. Das ist schon unlogisch genug.

  3. Horst

    Ich verstehe nicht ganz, was daran unlogisch sein soll. Die blauen W├╝rfel sollen ja nur eine Art Verst├Ąrkung darstellen, die ich nur in Anspruch nehme, wenn ich mit den roten W├╝rfeln und den Karten nicht stark genug bin. Man w├╝rfelt die blauen W├╝rfel deswegen hinterher, weil ich dann entscheiden kann, ob ich Sie schon in der Arena oder erst im Stadion gebrauche. Wenn ich in der Arena keine blauen W├╝rfel brauche, und damit alle f├╝r das Stadion aufhebe, dann k├Ânnte man nat├╝rlich auch die blauen W├╝rfel sofort benutzen, um eventuelle Karten nicht ausspielen zu m├╝ssen.

  4. G├╝nther

    Das beste w├Ąre doch:
    Zuerst rote Würfel werfen; dann kann jeder in Spielerreihenfolge seine Modifier in der ihm genehmen Reihenfolge einsetzen. 

  5. G├╝nther

    Chelsea-Spiel war gestern … Heute ist BAYERN-RUNDFAHRT !
    2te Etappe: Penzberg nach Kempten!
    1) 20 Polizei-Motor├Ąder
    2) nix
    3) 5 Sekunden das Feld der Radler
    4) nix
    5) 1 Minute stinkende Begleitfahrzeuge
    6) nix
    7) nix
    8) ne Menge riesiger Mannschaftsbusse
    Das war’s!
    Na ja, das Highlight war wohl die gestrige Ankunft der ersten Etappe mit drei Ehrenrunden in Penzberg. Halligalli inklusive! Haben WIR da auch irgendwelche Eisen im Feuer? Keine Ahnung ….

  6. Horst

    Irgendwie scheinen wir aneinander vorbei zu reden: Wir w├╝rfeln doch zuerst mit den roten W├╝rfeln!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    UND DANN NEHMEN WIR UNSERE MODIFIER ZU HILFE!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Was ist daran nicht zu verstehen?
    Die Anfangsst├Ąrke ergibt sich doch durch das Setzen, auf welches ich nunmal nicht verzichten kann!

    Haben wir verschiedene Spiele gespielt?

  7. G├╝nther

    Hallo Horst,
    Wir hatten doch die Situation, die mir passiert ist, gestern schon direkt angesprochen:
    – ich war nur beim Wagenrennen und nicht in der Arena vertreten
    – ich hatte die blauen W├╝rfel in meinem Besitz
    – ich hatte Pferdekarten in meinem Kartenbesitz
    – ich war in der Spielerreihenfolge hinten
    Nachdem alle die roten W├╝rfel geworfen haben, ihre Karten gesetzt hatten und ich an der Reihe war, brauchte ich noch 1 oder 2 Punkte, um erster zu werden.
    Was soll ich tun? Da ich mich nicht auf mein W├╝rfelgl├╝ck(blaue W├╝rfel) verlassen kann, setze ich 2 Pferdekarten und brauche die blauen W├╝rfel gar nicht mehr.
    Was m├Âchte ich tun?
    Ich m├Âchte zuerst mit den blauen W├╝rfeln werfen und falls n├Âtig dann noch Pferdekarten spielen.┬á
    Hoast mi?

  8. Aaron

    na, dann auch noch meine 2 Cent dazu:

    Der Knackepunkt, den Walter beschreibt und den ich genauso sehe, ist nicht das W├╝rfeln mit den roten W├╝rfeln. Es geht um die in der Regel vorgeschriebene Reihenfolge beim Einsetzen der beiden “erworbenen” Modifier-Ressourcen “Karten” und “blaue W├╝rfel”. Intuitiv ist es erst einmal seltsam, wenn man VOR dem Einsatz des zufallsabh├Ąngigen Modifiers “blaue W├╝rfel” seine bekannten, statischen Modifier “Karten” einsetzen soll. Warum? Weil man eventuel Karten einsetzt, die man nach erfolgtem W├╝rfelwurf mit den blauen W├╝rfeln gar nicht h├Ątte einsetzen m├╝ssen (weil man eben gut gew├╝rfelt hat). Das Problem ist, dass die Karten teurer erworben werden m├╝ssen (1 Arbeiter + 1 Bronze) als die W├╝rfel (1 Arbeiter) und auch noch weniger Modifier-Punkte mitbringen (max. 3 gg├╝. max. 4). Genau diesen Unterschied h├Ątte man durch die Regelumkehr “erst mit Blau w├╝rfeln, dann wenn gew├╝nscht Karten nachlegen” etwas ausgleichen k├Ânnen.

    So wie es jetzt ist, haben die Karten ein schlechteres Nutzen/Kosten Verh├Ąltnis als die blauen W├╝rfel. Da die blauen W├╝rfel nur von einem einzigen Spieler erworben werden k├Ânnen, wird damit der Gl├╝cksfaktor (ich m├Âchte sogar, mit Verlaub, von “Chaosfaktor” sprechen) verst├Ąrkt, wogegen er bei umgekehrter Reihenfolge verringert werden k├Ânnte. Aber das scheint ja vom Autor gewollt zu sein, wie die anderen merkw├╝rdigen Gl├╝ckseffekte beweisen (“Italian design” eben).

    Das alles hat nat├╝rlich mit Logik nichts zu tun, sondern ist eine Designentscheidung, die man m├Âgen kann oder nicht.

  9. Nils Kruse

    Hallo,

    eine totale Vegas-Verweigerung ist f├╝r mich in Eurem Fall nur schwer nachvollziehbar. Schlie├člich seit ihr die gr├Â├čten Fanboys vom Bluff – DAS Spiel des Jahres des Vegas-Redakteurs. Wo dieser Mann nun offensichtlich ein H├Ąndchen f├╝r den W├╝rfel besitzt, w├Ąre vielleicht auch von Euch etwas Gottvertrauen angebracht. Groupies schaffen das! :)

    Liebe Gr├╝├če

    Nils

    http://aiblinger-zockerbande.de/

  10. Horst

    Die blauen W├╝rfel zu nehmen, macht eigentlich dann Sinn, wenn ich in beiden Kampfst├Ątten vertreten bin, oder nur in der Arena, mit dem Ziel die Siegpunkte zu pushen. Nur im Stadion ist in der Tat eventuell zu risikoreich. Aber der Gl├╝cksfaktor ist in beiden St├Ątten durch den vorherigen Erwerb von Karten sehr zu reduzieren. Ohne Modifier die St├Ątten zu betreten und auf die W├╝rfel zu hoffen und dann zu hadern, da├č ich schlecht gew├╝rfelt habe, ist nicht sinnvoll. Man kann das Gl├╝cksmoment sehr herunterschrauben. Wenn ich die blauen W├╝rfel erwerbe, dann mache ich das doch aus einem strategischen Gedanken heraus, da├č ich diese Runde k├Ąmpfen will, (auch weil ich gute Karten besitze) das hat doch nichts mit einem Chaosfaktor zu tun. Au├čerdem reicht manchmal allein der Besitz schon aus, da├č andere ihre Karten gar nicht erst opfern. Ich bin absolut nicht der Meinung, da├č das “b├Âse, b├Âse” Gl├╝ckselement dieses Spiel so schlecht aussehen l├Ą├čt.

  11. Aaron

    Die Diskussion hier geht nach meinem Verst├Ąndnis prim├Ąr darum, ob es gut oder schlecht ist, dass man zuerst die Karten bei einem Kampf/Rennen einsetzt und dann mit blau w├╝rfelt. So wie es ist, wird der Gl├╝cksfaktor erh├Âht; bei umgekehrter Reihenfolge abgemildert. Ich denke, da sind wir uns einig, denn nur diese Aussage hat etwas mit Logik und nicht mit pers├Ânlicher Pr├Ąferenz zu tun.

    Aquileia enth├Ąlt ziemlich komplexe Abh├Ąngigkeiten (“Verzahnungen”) zwischen Spielerreihenfolge, M├╝nzbesitz der Spieler und der Situation auf dem Immobilienmarkt. Das alles zu durchblicken und entsprechend den aktuellen Zug und den n├Ąchsten (wegen der Spielerreihenfolge) zu planen ist anstrengend und langwierig, wenn man es denn machen wollte. Will man aber eigentlich gar nicht, da es sehr viele Gl├╝ckselemente gibt, die die Planung rasch ├╝ber den Haufen werfen. Also macht man es nicht und spielt drauflos. Vielleicht ist das sogar der Grund, weshalb sich der Autor daf├╝r entschieden hat, auch bei den Kampfmodifiern den Gl├╝cksanteil zu erh├Âhen statt zu senken.

    Ich (also sehr subjektiv!) mag Spiele nicht, die einerseits komplexe Abh├Ąngigkeiten in den Mechanismen enthalten und andererseits die Planbarkeit durch Gl├╝cksfaktoren zu sehr reduzieren versuchen. Das wirkt auf mich irgendwie gek├╝nstelt und ich habe immer den Eindruck, dass der Autor sich sch├Âne Mechanismen ausgedacht hat, die auch wirklich gut funktionieren und dann feststellt, dass das Ergebnis ein stundenlanges Gr├╝belspiel ist. Also werden schnell ein paar Gl├╝ckselemente eingebaut, die das Gr├╝beln sinnlos machen (oder zumindest abschw├Ąchen).

    Spiele mit deutlichem Gl├╝cksanteil mag ich dann, wenn sie a) kurz sind und b) keine gehirnverzwirbelnden Analyseaufgaben enthalten. Wenn b) nicht erf├╝llt ist, dann bitte auch kein nennenswerter Gl├╝cksanteil; das ist dann das klassische Strategiespiel (das ich ebenfalls sehr gerne mag). Das alles ist rein subjektiv, hat mit Logik wenig zu tun sondern mit pers├Ânlichem Spielegeschmack. Da brauchen wir also nicht dr├╝ber zu diskutieren.

  12. Horst

    Was sind denn “die vielen Gl├╝cksmomente”? Ich kann nur sagen, da├č KEINE EINZIGE meiner Planungen in diesem Spiel durch irgendein Gl├╝cksmoment ├╝ber den Haufen geworfen wurde! Unvorbereitet in einen Kampf oder in ein Rennen zu gehen, hat nichts mit Gl├╝ck oder Ungl├╝ck zu tun! Und die blauen W├╝rfel haben meines Erachtens die Aufgabe eines Trumpfes, und einen Trumpf spielt man gerne: zuletzt!

    Und wenn es die “vielen Gl├╝cksmomente” wirklich g├Ąbe, wer hat denn wirklich soviel Gl├╝ck gehabt oder Ungl├╝ck, da├č er dadurch wirklich erkennbar das Spiel verloren h├Ątte?

    Ich verstehe vollkommen, da├č es unbefriedigend ist, wenn ein an sich komplexes Spiel durch zu viele Gl├╝cksmomente ad absurdum gef├╝hrt wird. Bei Aquileia ist dies, meiner Meinung nach, definitiv nicht der Fall!

  13. Walter

    Hallo Horst, wenn Du die vielen Gl├╝cksmomente bei Aquileia nicht sehen willst, dann bist Du entweder blind (Entschuldigung) oder hast ein anderes Wertesystem f├╝r die Begriffe Zufall und Gl├╝ck.
    Wenn ich beim Sklavenkauf f├╝r den gleichen Preis mal einen Sklaven und mal zwei Sklaven bekomme (100% Differenz), dann ist das (f├╝r mich) ein Riesen-Zufallseinfluss.
    Wenn ich beim Waffenkauf eine Zusatzkarte mit der Waffenst├Ąrke 1, 2 oder 3 bekommen kann (200% Differenz) oder vielleicht stattdessen sogar 1-2 gelbe oder graue Pferde bekomme, die bei den Gladiatoren schon gar nichts n├╝tzen, so ist das (f├╝r mich) ein Riesen-Zufallseinfluss.
    Wenn beim K├Ąmpfen jeder Spieler mit 3 W├╝rfeln seine Kampfst├Ąrke hochw├╝rfeln muss, dann liegt darin eine potentielle Differenz von 3 Punkten; hier sind selbst die durchschnittlichen Ergebnisdifferenzen noch in der Gr├Â├čenordnung von 50% der Grund-Investitionen. F├╝r mich ist das zumindest ein mittel-gro├čer Zufallseinfluss.
    Das Wort “ad absurdum gef├╝hrt” hast bisher Du allein benutzt. Das ist vielleicht etwas zu stark ausgedr├╝ckt. Doch dass man erst sehr gewissenhaft planen muss, und der Zufall hinterher meine und die gegnerischen Planungen in der Gr├Â├čenordnung um 100% ver├Ąndert, das finde ich f├╝r ein herausforderndes Planspiel absolut unbefriedigend. Insofern hat Aaron in seinem letzten Beitrag die Rest-Westpark-Gamers Kritiken auf den Punkt gebracht.

  14. Horst

    Das ist alles, was du anf├╝hren kannst? Das nennst du dann “viel”? Ich glaube, wir haben eher unterschiedliche Ansichten, was “viel” ist und was nicht! Bei den Sklavenkarten ist das ein kleines Gl├╝cksmoment, richtig. Aber dominierend? Und die Waffenkarten liegen doch OFFEN aus, oder? Und was willst du eigentlich in der Arena, wenn du Pferde hast? Es zwingt dich doch keiner dahinzugehen! Oder seid ihr etwa blind (Entschuldigung), die richtigen Karten zu nehmen? Und was das K├Ąmpfen betrifft, sollte man sich eben nicht zu sehr auf das W├╝rfeln verlassen, sondern vorbereitet in den Kampf gehen. Und in diesem Spiel kann ich mich gut vorbereiten. In diesem Spiel kommt es auch darauf an, etwas zum richtigen Zeitpunkt zu tun, weil ich meine Aktionen gut vorbereitet habe und somit das n├Ąchste Zahnr├Ądchen zum Laufen bringe.

  15. Horst

    ├ťbrigens mu├č die Uhr umgeschalten werden, die Kommentare erscheinen immer mit einer falschen Zeitangabe (Sommerzeit nicht eingestellt)

  16. Walter

    Gegen Blindheit k├Ąmpfen selbst G├Âtter vergebens!
    Der Betr├╝ger kann sich mit Gl├╝ck zwei Goldm├╝nzen erw├╝rfeln oder mit Pech zwei Kupferm├╝nzen. Beim Geldwechsler z├Ąhlt das eine vier mal so viel wie das andere. VIER mal! Ja wenn Du von vorneherein gesagt h├Ąttest, dass f├╝r Dich ein Unterschied von 400 (VIERHUNDERT) Prozent nicht viel ist, dann h├Ątte ich mir erspart, auf Deine Nicht-Zufall-Argumentation ├╝berhaupt einzugehen.
    Wir haben offensichtlich nicht nur unterschiedliche Ma├čst├Ąbe bei Zufall und Berechenbarkeit, sondern auch noch bei Viel und Wenig. Wahrscheinlich sogar ├╝ber die Frage, was Geschmackssache ist und was nicht!

  17. Horst

    Ach Gott Walter, jetzt werden s├Ąmtliche Wahrscheinlichkeitsprozentrechnungen herausgeholt, die es gibt. Die kann man auf 90% aller Spiele anwenden. Das zwanghafte Heranziehen von Zahlen, die nicht l├╝gen wirkt bem├╝ht und schadet grunds├Ątzlich dem Spielspa├č. Und alles berechnen zu wollen ist doch langweilig. Und ├╝berhaupt: warum willst du betr├╝gen? Bau┬┤dir eine anst├Ąndige Geldstube und du hast ein zu berechnendes Einkommen, wenn es dir darauf ankommt. Du siehst: alle Unw├Ągbarkeiten kann ich durch eine andere Aktion ausgleichen! Und au├čerdem w├Ąre es furchtbar, wenn alle den gleichen Geschmack h├Ątten, nur eure Argumentation bez├╝glich der “dominierenden Gl├╝ckselemente” wird dem Spiel nicht gerecht.

  18. Horst

    Ich geh┬┤jetzt ins Wochenende! Die Wahrscheinlichkeit, da├č in M├╝nchen ├╝ber Pfingsten die Sonne scheint liegt bei 100 (EINHUNDERT) Prozent. Aber es ist Geschmacksfrage, ob man das jetzt gut findet. Jedenfalls finde ich nach dieser Diskussion das Spiel gleich noch besser und m├Âchte dem Spiel nun gerne 8 Punkte vergeben.

    Sch├Âne Pfingsten allerseits!