von Walter am 27.02.2014 (6.855 mal gelesen, 5 Kommentare)

ÔÇ×Wenn ich Freude daran h├Ątte, mit N├╝├čchen und Kreiseln zu spielen, warum nicht? Das Vergn├╝gen kennt keinen Ehrgeiz. Es d├╝nkt sich aus sich selbst reich genug und begehrt nicht zus├Ątzlich Ruhm und Ehre.ÔÇť (Michel de Montaigne)

1. “Cuba Libre”
Kuba fasziniert immer (noch). Zuckerrohr, Rum, Samba-Rhythmen und hei├če T├Ąnze werden auch heute noch zu einem bewegenden Buena Vista geb├╝ndelt. Und selbst Kubas Politik l├Ą├čt uns schon seit mehr als 50 Jahren staunen, bewundern, f├╝rchten und beten.

Cuba libre - die Roten warten auf ihren Einsatz

Cuba libre – die Roten warten auf ihren Einsatz

In ÔÇ×Cuba libreÔÇť wird die Politik von aller Hintergrundlastigkeit befreit und wir k├Ânnen in vier verschiedenen Parteiungen der Reinkultur der demokratischen Korruption, des Casino-Kapitalismus, des revolution├Ąren Terrors und des studentischen Protests fr├Ânen.

Jede Partei darf eigene Operationen ausf├╝hren: neue Mitglieder, Polizei, Armee oder Guerillas ins Spiel bringen, St├╝tzpunkte bzw. Casios bauen oder zerst├Âren, sich gegenseitig enttarnen, abspenstig machen oder abmurksen, Terroranschl├Ąge inszenieren und damit die ├Âffentliche Unterst├╝tzung f├╝r die Roten oder Blauen auf die eine oder andere Seite kippen lassen.

Bemerkenswert ist die Auswahl der jeweiligen Operationen. Im eingeschwungenen Zustand agieren pro Runde jeweils zwei Spieler, die anderen beiden erholen von ihrem gerade get├Ątigten Zug. Es wird jeweils eine ÔÇ×EreigniskarteÔÇť aufgedeckt, die individuelle konstruktive oder destruktive Aktionen erlaubt. Zus├Ątzlich definiert diese Ereigniskarte, in welcher Reihenfolge die Spieler handeln d├╝rfen. Der Erstziehende darf w├Ąhlen, ob er die spontane Ereignis-Aktion ausf├╝hrt oder eine seiner Standard-Operationen, die er auch noch mit Spezial-Aktivit├Ąten verst├Ąrken kann. Der Zweitziehende ist im Aktionsradius eingeschr├Ąnkt und muss sich auch noch mit dem halben Effekt begn├╝gen.

Man kann als aktiver Spieler auch passen und verzichtet damit in der aktuellen Runde auf seinen Zug. Daf├╝r ist man dadurch nicht abgeschlafft, sondern ist kann sich im Vollbesitz seiner luderischen Kr├Ąfte auf die Abhandlung der n├Ąchsten Ereigniskarte st├╝rzen. Dort darf man dann ggf. mit Priorit├Ąt einen besonders wirksamen Schlag gegen Regierung oder Castraner ausf├╝hren.

Jede Partei hat ein eigenes Spielziel. Die Regierung muss alle St├Ądt kontrollieren und ein bestimmtes Zustimmungsniveau erreichen. Castros Bewegung des 26. Juli muss im gesamten Land ein bestimmtes Oppositionspotential ├╝berschreiten. Das Syndiakat muss 8 Casinos er├Âffnet haben und damit eine bestimmte Gewinnsumme erzielen. Das Direktorium muss einen vorgegebenen Einfluss innerhalb der Bev├Âlkerung erworben haben.

In einer guten halben Stunde hatte Moritz die Regeleinf├╝hrung hinter sich gebracht und jeder wu├čte, welche Z├╝ge er machen konnte. Doch welche davon die aktuell wirksamsten waren, dazu brauchten wir noch eine Hilfestellung. Moritz spielte die Regierung, gab aber bereitwillig auch Castro und dem studentischen Protest uneigenn├╝tzigste Ratschl├Ąge.

Er h├Ątte jedem Spieler auch den Wegweiser in die Hand dr├╝cken k├Ânnen, wie die entsprechende Partei agieren soll, falls sie von keinem Spieler gef├╝hrt wird. Solche Anleitungen sind dem Spiel n├Ąmlich beigelegt, so dass man in einer Solo-Variante auch ganz alleine seine Verdienste um die Befreiung Kubas erwerben kann. Klar, dass die Regierung, die ├╝ber reichlich Geldmittel verf├╝gt, st├Ąndig Truppen requirieren muss, um damit St├Ądte und Wirtschaftszentren zu sch├╝tzen. Klar, dass CastroÔÇÖs wichtigsten Aktionen die Terroranschl├Ąge sind. Das Direktorium zieht mit Aufkl├Ąrung durch das Land, und das Syndikat baut und sch├╝tzt Casinos und seine Einnahmen.

Man kann mit vollster Leidenschaft seine Partei f├╝hren und entsprechend lustvoll auf die gegnerischen Gruppierungen draufschlangen. Man kann das Ganze aber auch wie eine Filmfiktion von Alain Resnai (ÔÇ×Hiroshima mon amourÔÇť) und Steven Spielberg (ÔÇ×Catch Me If You CanÔÇť) an sich vorbeilaufen lassen und dar├╝ber staunen, mit welcher Virtuosit├Ąt Moritz die Regierung, das Kapital, die Revolution und die Aufkl├Ąrung gegeneinander ausspielt. (Der Life-Ticker mit den Szenen zwischen Real Madrid und Schalke war nicht einmal halb so befriedigend!)

WPG-Wertung: Aaron: keine Note (die rein abstrakten Mechanismen funktionieren, besitzen aber keinerlei Thema; [Moritz:] als Herr des Syndikates war Aaron leider die langweiligste Rolle des Spiels zugefallen), G├╝nther: 4 (kein Freund von Simulationsspielen; das Spiel lebt von den Karten, die man toll finden muss. [Oder es eben nicht tut.]), Moritz: 8 (mag dieses Genre. Fasziniert von Material und Mechanismen), Walter: 4 (es war h├Âchst entspannend, sich von Moritz in allen kritischen Entscheidungen an der Hand f├╝hren zu lassen; wenn Castro gewonnen h├Ątte, h├Ątte das Spiel noch einen Punkte mehr bekommen …).

G├╝ntherÔÇÖs Einsicht: ÔÇ×Spiele, die eine Solo-Variante beinhalten, sind mit Vorsicht zu genie├čen!ÔÇť
Bei BGG wird ÔÇ×Cuba libreÔÇť hoch gehandelt. 308 mal wurde es bewertet und kommt dabei einen Durchschnitt von 7,99 Punkten. Einer der wenigen 2-Punkte-Werter schrieb dazu: ÔÇ×Ich liebe das Thema, finde das Spiel aber extrem langweilig.ÔÇť
Hallo Ralf, wir waschen unsere H├Ąnde in Unschuld!

2. “Blueprints”
Ein lockeres Bauspiel mit W├╝rfeln.
Jeder Spieler bekommt einen eigenen Bauplan f├╝r ein Geb├Ąude, das aus sechs zusammenh├Ąngenden W├╝rfeln besteht. Aus einer Auslage von 7 W├╝rfeln (in den Farben gr├╝n, orange, schwarz und wei├č) muss er jeweils einen W├╝rfel herauspicken und damit sein Geb├Ąude sukzessive vervollst├Ąndigen. Dabei ist lediglich darauf zu achten, dass ein W├╝rfel, der auf einen anderen gelegt wird, mindestens die gleiche Augenzahl besitzt.

F├╝r jeden herausgepickten W├╝rfel wird ein neuer W├╝rfel ins Spiel gebracht, die anderen bleiben in Farbe und Augenzahl unver├Ąndert.

Nach sechs Z├╝gen hat jeder Spieler sein Geb├Ąude fertiggestellt. (In seltenen F├Ąllen, wenn zuf├Ąllig f├╝r die oberen Etagen eines Geb├Ąudes keine ausreichenden Augenzahlen ausliegen, ist eine Geb├Ąudevorgabe auch nicht erf├╝llt.) Dann kommt die Wertung. Fertiggestellte Geb├Ąude bringen Punkte ein. Dazu liefert jede W├╝rfelfarbe noch eigene Beitr├Ąge f├╝r die Gesamtwertung: Gr├╝ne W├╝rfel z├Ąhlen, wenn besonders viele daf├╝r verwendet wurden; bei gelben W├╝rfeln z├Ąhlt die Anzahl von Nachbarn, schwarze W├╝rfel bringen besonders in den oberen Etagen viele Punkte, bei wei├čen W├╝rfeln z├Ąhlt die eingesetzte Augenzahl. Wer die h├Âchste Geb├Ąudewertung erzielt hat, bekommt eine Goldmedaille mit drei Siegpunkten, der zweite erh├Ąlt zwei und der dritte einen Siegpunkt.

Weiterhin gibt es Sonderpr├Ąmien f├╝r spezielle Topologien, z.B. lauter gleiche Augenzahlen oder lauter gleiche W├╝rfelfarben.

Blitzschnell ist ein Durchgang zu Ende; die Siegpunkte werden notiert, neue Baupl├Ąne verteilt. Der Spieler mit der geringsten Wertungszahl wird neuer Startspieler.

WPG-Wertung: Aaron: 5 (belanglos), G├╝nther: 5 (das erfolgreiche Bauen ist zu nebens├Ąchlich, das h├Ątte man st├Ąrker betonen sollen), Moritz: 6 (kurz und schnell; ein lockeres Familienspiel; durch das umfangreiche Bewertungssystem ist die h├╝bsche Spielidee leider etwas ├╝berfrachtet), Walter: 6 (freut sich auf ein Spiel mit seinen Gro├čneffen).
Moritz: Das S├Ąckchen, woraus man die W├╝rfel nachzieht, ist zu klein.

3. “Bluff”
Bei insgesamt 15 eingesetzten W├╝rfeln zweifelte G├╝nther Aarons Vorgabe von 12 mal die F├╝nf an. (Die Wahrscheinlichkeit daf├╝r ist geringer als ein Promille.). Sp├Ąter zweifelte er bei insgesamt 8 W├╝rfeln die Vorgabe von 6 mal den Stern an (Die Wahrscheinlichkeit daf├╝r ist etwas gr├Â├čer als ein halbes Promille!) Beide Male kostete das ihn und Walter einen W├╝rfel. Aaron erfocht einen Kantersieg.
Keine neue WPG-Wertung f├╝r ein Super-Spiel.


5 Reaktionen zu “26.02.2014: Cuba mon amour”

  1. Peter

    Bei insgesamt 15 eingesetzten W├╝rfeln zweifelte G├╝nther Aarons Vorgabe von 12 mal die F├╝nf an. (Die Wahrscheinlichkeit daf├╝r ist geringer als ein Promille.)

    ### Wurde nachgew├╝rfelt (wohl ja, oder?). Dann stimmt nat├╝rlich die Wahrscheinlichkeitsangabe nicht.

  2. Walter

    Claro, wurde herausgew├╝rfelt. Und eine ganze Reihe von W├╝rfeln auch herausgelegt. Die Zahlenangabe zur Wahrscheinlichkeit gilt nur f├╝r die statische Endsumme 12 aus 15 bzw. 6 aus 8. Und auch das nur unter der Voraussetzung, dass ich die richtigen Formeln angewendet habe …

  3. ravn

    Danke f├╝r den Spielbericht zu Cuba Libre. Besonders die Info “In einer guten halben Stunde hatte Moritz die Regeleinf├╝hrung hinter sich gebracht und jeder wu├čte, welche Z├╝ge er machen konnte.” war f├╝r mich hilfreich, weil ich selbst f├╝r mich noch nicht absch├Ątzen konnte, wie zeitintensiv man dieses Spiel seinen Mitspielern erkl├Ąren kann.

    Hattet Ihr die Errata vor Eurem Spiel eingearbeitet in Sachen Erkl├Ąrung, Spiel├╝bersichten und den Karten? Oder brauchte es das f├╝r den Erstkontakt nicht? Weil die liegen bei mir noch unbesehen ‘rum.

  4. Walter

    Hallo Ralf, ich wei├č nicht genau, ob Moritz die Errata eingearbeitet hat. Ich nehme es aber stark an. Er hatte sich extrem gut in das Material eingearbeitet, und die Spielhilfen sowie die wichtigsten Abl├Ąufe alle ins Deutsche ├╝bersetzt, entsprechende Skizzen gemalt, ausgedruckt und verteilt. Er brauchte keine Details in Regelheft und Spielbrett suchen, und hat einen absolut sicheren, einf├╝hrenden Vortrag gehalten.

  5. Moritz Eggert

    Ich habe jetzt die Errata noch einmal angeschaut – tats├Ąchlich sind das vor allem Korrekturen in den Spielbeispielen vom Playbook, regelrelevant sind vor allem Formulierungsverbesserungen, keine grunds├Ątzlichen Fehler. Die einzigen Korrekturen von Wichtigkeit betreffen ein m├Âgliches Missverst├Ąndnis der Sweep-Aktion ( das hatte ich aber intuitiv richtig verstanden) und eine Reihenfolge├Ąnderung auf einer einzigen Karte, die aber bei uns nicht vorkam. Insofern kann ich also alle beruihigen, dass wir das Spiel richtig gespielt haben :-)
    Ich habe das Spiel jetzt einige Male solit├Ąr gespielt, was schon sehr viel Spa├č macht, ist aber sicherlich nicht f├╝r jedermann….