Spielbericht 5.9.2002

Spielbericht 5.9.2002

Autor: Moritz

am Tisch: Peter, Hans, Andrea, Moritz

auf dem Tisch: Legend of Zagor, Star Wars – Epic Duels

Der 2. „Orkabend“, diesmal wesentlich erfolgreicher als der erste (siehe
„Undead“-Kritik
), mit 2 schönen Spielen:

  1. Legend of Zagor (Kurzkritik)

    Legend of Zagor - boxDieses Spiel aus den 80er Jahren ist in Deutschland kaum
    bekannt – Es basiert lose auf der berühmten Fighting Fantasy – Buchreihe (man
    denke an „Warlock of Firetop Mountain“), und wurde speziell für einen jungen
    Spielerkreis konzipiert (sprich: picklige 12-jährige). Daß man dieses Spiel auch als
    Erwachsener spielen kann, liegt nicht nur daran, daß wir im Herzen IMMER NOCH picklige
    12-jährige sind.

    Das Spielmaterial ist erst einmal umwerfend: Ein grosses Dungeon mit 3 Leveln wird
    aufwendig aus tollen und farbigen Plastikfiguren aufgebaut. Es gibt sogar eine richtige
    Hängebrücke, alles ist plastisch in 3D gestaltet, und gut konzipiert und durchdacht.
    Herzstück des Ganzen ist die Gruft von Zagor: Ein schwarzes, schweres Gebilde mit einem
    riesigen Knochenknopf obendrauf. Diese Gruft ist auch der „Kopf“ des Spieles:
    denn Zagor spricht!

    Legend of ZagorAm Anfang schaltet man das Spiel ein und eine dröhnende Computerstimme
    ertönt (übrigens ein echter Sprachchip, keine Samples): „Who dares challenge
    me?“. Die Spieler melden sich mit Knopfdruck auf einen jeweils ihnen zugeordneten
    Knopf an, dann geht’s los. Zagor bestimmt per Zufall wer anfängt.

    Es gibt 4 „Charakterklassen“: Wizard, Barbarian, Warrior, Dwarf. Diese haben
    nicht spezifisch andere Fähigkeiten, sondern benötigen unterschiedlich viel Geld für die
    sehr wichtigen Gegenstände, die man sich am Anfang und während des Spiels besorgen kann
    (es gibt sogar einen richtigen Händler mit eigener Plastikfigur, der die Waren im Dungeon
    an den Mann bringt! – das „Ding“ neben ihm ist übrigens eine Katze!).
    Dieses System resultiert in unterschiedlichen Schwerpunkten, die dann doch wieder
    charakterspezifisch sind, so zahlt der Barbar am wenigsten für Waffen, am meisten für
    Magie, etc.. Ein interessantes und dennoch simples System!

    Im Dungeon gibt es ausser den Monstern in den Haupträumen auch „Tiles“ zu
    entdecken, die nach Memory-Manier auch mehrmals verwendbar sind, d.h. man muß sich gut
    merken, was aufgedeckt wurde. Dies sind dungeontypische Gefahren und Hilfen: Gold,
    Fallen, Wachen, etc..

    Die Monster in den Haupträumen sind jedoch am Wichtigsten, denn nur dort gibt es die
    wertvollen Schatzkarten zu finden, mit denen man letztlich den bösen Zagor schwächen kann
    (man braucht möglichst viele davon).

    Der Kampf ist extrem kultig: je nach Level drückt man einen bestimmten Knopf, das
    allseits bekannte „Who dares challenge me?“ erklingt, dann drückt man den
    eigenen Knopf, und der Computer „würfelt“ ein Monster aus „SomeTHING
    approaches: you hear a NOISE behind you!“ (oder Varianten hiervon) . Dann sagt der
    Computer die Statistiken des Monsters an, und los geht’s. Den Rhythmus des Kampfes
    gibt der Computer vor: erst sagt er eine Zahl (nach der man bestimmen kann, ob das
    Monster trifft), dann würfelt der Spieler. Durch die ulkigen Soundeffekte kommt hier
    wirklich Stimmung auf, obwohl es hier wirklich simpel zugeht: entweder man trifft, oder
    man trifft nicht. Immerhin kann man Gefolgsleute für sich kämpfen lassen, magische Pfeile
    einsetzen, Zaubersprüche sprechen, etc.. Aber selten war es so still an unserem Tisch
    – fast kommt eine hypnotische Atmosphäre auf!

    Noch kultiger ist die Tatsache, daß der Computer das Spiel immer wieder mal vollkommen
    überraschend mit Zufallsereignissen unterbricht, die irgendeinen Spieler ausserhalb der
    Reihe betreffen. Das Unheimliche ist, daß das Spiel sich die Aktionen der Spieler zu
    merken scheint: so wurde ich gleich zu Anfang vom Computer als „Coward“
    beschimpft, der sich vor den Monstern versteckt (ich hatte tatsächlich weniger Kämpfe als
    die Anderen).

    Natürlich ist das alles viel mit Glückselementen versehen, man hat dennoch das Gefühl,
    einigermaßen über sein Schicksal zu bestimmen. Zusammen mit den Sounds, dem tollen
    Ambiente und einer gut gestimmten Abenteurergruppe, die sich darauf einlässt, kann dies
    wirklich ein sehr unterhaltsames Spiel sein.

    Entdeckt das Kind in Euch und besorgt Euch ZAGOR!

    WHO DARES CHALLENGE MEEEE?????

    Westpark-Gamers-Bewertung: 7.75

  2. Star Wars – Epic Duels (Kurzkritik)

    Epic DuelsDieses Spiel ist momentan der letzte Schrei auf der immer besser
    werdenden „BoardgameGeek“ – Seite, was überrascht, denn es hat die 2
    Attribute, die normalerweise wenig Spielspaß versprechen: 1. Filmlizenz, 2. MB-Spiel!

    Hinter der poppigen Fassade versteckt sich jedoch ein geheimes „Avalon
    Hill/Hasbro“-Spiel (diese Lizenz ging ja jetzt an „Wizards of the
    Coast“ und versauert dort) – Aufwendiges Spielmaterial (in diesem Fall
    einigermaßen ansprechend bemalte Figuren aller wichtigen Star-Wars-Charaktere und viele,
    viele bunte Karten) verbunden mit einfachen Regeln, die jedoch auch Freak-Spieler
    ansprechen können – und ein guter Designer: Craig van
    Ness
    , machen „Epic Duels“ zu einem echten Knaller, nicht nur für Star
    Wars-Fans, aber natürlich besonders für diese.

    Die Idee ist simpel: Man nehme die Hauptcharaktere aus allen bisherigen Filmen, und
    lasse diese, auf der dunklen oder bösen Seite, in einer von 4 Arenen gegeneinander
    antreten, bis kein Pflänzchen mehr wächst. Jedem Hauptcharakter sind 1 oder 2
    Nebencharaktere zugeordnet (so umgibt sich Count Dooku mit 2 Robotern, Luke hat Leia
    dabei, etc.. „Was, Leia ist ein NEBENcharakter???“ sagt hier meine zornige
    Frau). Das Spiel ist als Teamspiel für entweder 4 oder 6 konzipiert (theoretisch könnte
    man wohl auch 8, 10 oder sogar 12 spielen lassen), funktioniert aber natürlich auch gut
    zu zweit.

    Star WarsNachdem die Spieler sich für gleichviel gute wie böse Charaktere
    entschieden haben, wobei nichts dagegen spricht auch z.B. Gute gegen Gute antreten zu
    lassen, geht’s direkt zur Sache. Jedem Charakter ist ein eigener Kartenstapel
    zugeordnet, der aus Angriffs-und Verteidigungskarten besteht, sowie einigen aufgewerteten
    „Power-Angriff“-Karten und „Special“-Moves. Kein Stapel gleicht
    dem Anderen, und alle vorkommenden Eigenschaften sind filmspezifisch und schön umgesetzt.
    So ist Darth Vader vor allem offensiv ausgerichtet, hat aber eine schlechte Verteidigung,
    Yoda blockiert wie kein Anderer, Boba Fett schiesst Fangseile ab, etc.. Manche der Karten
    sind extrem stark, immer gibt es aber einen anderen Charakter, der speziell diese
    Fähigkeit unterwandern kann (so ist Lukes Fähigkeit der Offensivkartenschwächung eher
    schwach, aber besonders nützlich gegen Darth Vader, etc.). Man würfelt erst für die
    Bewegung (die simpel ist, aber sehr wichtig und sogar recht taktisch- die Arenen sind
    übrigens relativ klein), und hat dann 2 Aktionen: entweder a) eine Karte ziehen, b) mit
    einer Karte angreifen oder c) sich selbst mit einer Karte eines schon gestorbenen
    Nebencharakters heilen. Letztere Fähigkeit ist eigentlich nur eine „Last
    Resort“ wenn man nichts besseres zu tun hat.

    Karten sind immer Charakteren zugeordnet, d.h. man braucht eine
    Greedo-Verteidigungskarte, wenn Greedo angegriffen wird, etc. Karten haben Angriffs-und
    Verteidigungswerte, die Differenz wird als Schaden ausgeteilt (es wird also nicht
    gewürfelt). Wenn man keine passende Karte hat, ist man verteidigungslos, und der
    Angreifer macht automatisch Schaden. Die häufigste Aktion wird also Kartenziehen sein
    (maximal kann man 10 haben).

    Nebencharaktere sterben meistens schnell, und dann hockt man auf deren Karten (wie
    gesagt: Heilung ist selten gut).

    Natürlich gibt es einen Sieg erst, wenn entweder die Dunkle oder die Gute Seite der
    Macht vollkommen vernichtet ist!

    „Epic Duels“ spielt sich schnell, und entfaltet einen eigenen Reiz. Echte
    Star-Wars-Stimmung kommt auf, wenn Darth Vader Schrotteile prasseln lässt, und ein
    zorniger Wookie einen besonders heftigen Armbrustschuss loslässt, weil sein Freund Han
    Solo gerade das Zeitliche gesegnet hat (ja, auch hierfür gibt es Karten!). Das Spiel ist
    exakt so komplex, daß es sich flott spielen lässt (in ca. 1 Stunde), und man gleich Lust
    auf mehr hat (wir spielten es spontan gleich zweimal, was selten ist). Die vielen
    Kampfkombinationen der 12 Charaktere tuen ein übriges, um dieses Spiel wirklich jeder
    Spielergruppe empfehlen zu können, die Lust auf ein flottes und vor allem lustiges
    Duellspiel haben.

    Die Macht™ sei mit Euch!

    Westparkgamers-Bewertung: 7.75