Spielbericht vom 31.03.2004
Autor: Walter
am Tisch: Günther, Aaron, Peter, Walter
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In einer überschaubaren Vierer-Runde wurde ich Startspieler vor Günther, Peter und
Aaron. Nach meinen Prinzip, von den Privatbahnen zunächst mal alles zu kaufen, was
angeboten wird, wurde ich Besitzer der Schuylkill Valley und der
Camden&Amboy, Günther ersteigerte sich für 115 die Mohawk&Hudson,
Peter bekam die Champlain&St.Lawrence und Aaron die
Delaware&Hudson. Bei der Baltimore&Ohio als letzter Privatbahn
gerieten die Investitionen ins Stocken. Wer hier zulangte, war mit seinen Aktivitäten für
lange Zeit festgelegt und machte zusätzlich seinen Nebenmann zum glücklichen Erwerber der
ersten Staatsbahn.
Nach 2 Runden Passen bewies Aaron die schwächsten Nerven: entgegen seinen
ursprünglichen Ambitionen erwarb er die Baltimore&Ohio. Erfreut begann ich den
Aktien-Handel mit der NYNH und setzte sie für 71 Dollar ein. Günther folgte mit
der B&M für 67 Dollar. Peter wollte sich nicht auf eine eigene Linie
festlegen, sondern beteiligte sich an Aarons B&O, die mit einem
Lockvogelangebot von 90 Dollar ins Rennen geschickt worden war.
Für mich war das ein sehr vielversprechender Auftakt. Günthers B&M konnte
helfen, für meine NYNH das Streckennetz zu finanzieren, ernsthafte Rivalen um
Strecken werden die beiden Linien sowieso nicht. Aarons B&O würde
wahrscheinlich 3 Zweierzüge kaufen, ich für die NYNH nur einen, die B&M
den Rest, so daß die NYNH mit minimalen Ausgaben bereits in der zweiten Runde im
Besitz eines stabilen Dreierzuges sein würde.
Genau so kam es denn auch. Allerdings wurde ich in meiner soliden Sparpolitik schnell
wieder nachdenklich, als die Renditen zum Vorschein kamen. Die beiden Konkurrenten
schütteten mit ihren Linien bereits fast 300 Dollar aus, als ich im Herzen von New York
noch mit 150 Dollars zufrieden sein mußte.
Da hätte ich liebend gerne die Viererzüge ins Spiel gebracht und damit den
Konkurrenten die Masse der Zweierzüge aus dem Verkehr gezogen. Aber die Phase der
Dreierzüge ist nicht so schnell zu überwinden. Besonders in einer Runde mit vier
Spielern, wenn jeder an den Einnahmen der Eintagsfliegen beteiligt ist und keine
aggressive Investitionspolitik betreiben will.
Günther ging in die Vollen. Er verkaufte gleich zu Beginn die Mohawk&Hudson
für den doppelten Einstiegspreis an seine B&M. Für mich war damit die Linie
“out”: höchster Risikofaktor. Sie kann nicht gleichzeitig von Beginn an viele
Züge betreiben, volle Dividenden ausschütten und auch noch am Rande der Legalität die
Privat-Schatulle des Präsidenten füllen.
Aber Günther wußte, was er wollte. Mit seiner gefüllten Börse stieg er sofort
bei der PRR hoch ein und schuf sich damit ein zweites stabiles Standbein. Zwei
Linien in einer Hand können sich immer gegenseitig über kurzfristige Krisen hinweg über
Wasser halten. Eine zweite Linie bedeutet für den Präsidenten zugleich einen enormen
Machtzuwachs, auch in Bezug auf seinen kriminellen Handlungsspielraum. Früher oder später
ergibt sich immer die Gelegenheit, eine der beiden Linien auf Kosten der anderen zu
ruinieren und sie anschließend einem Mitspieler zwecks Sanierung zu übereignen.
Diese Gelegenheit bot sich gerade im geeignetsten Augenblick. Bis zur letzten Sekunde,
d.h. bis unmittelbar zum Auftauchen der Sechserzüge, sackte Günther mit den zwei
Dreierzügen der B&M enorme Dividenden ein, und als es ans Verschrotten der
alten und Geld-Zuschießen für neue Loks ging, vermachte er diese Gesellschaft an Peter.
Peter war zunächst höchst entsetzt, weil er sich mit 2 Shares irrtümlich in Sicherheit
gewähnt hatte. Dann aber fügte er sich in sein Schicksal. Ja er machte das Beste daraus.
Er kündigte die stillschweigende NYNH–NYC-Allianz mit mir, plünderte
zugunsten seines neu erworbenen Kuckuckseies namens B&M die NYC aus und
schob sie mir dann ausgetrocknet zu.
Inzwischen war natürlich auch schon die Dieselzeit angebrochen. Aaron hatte recht und
schlecht die B&O über die Runden gebracht, viel verdient und manches gespart.
Für die notwendige Diesel waren aber noch nicht genügend liquide Mittel vorhanden. Jetzt
stand er vor der Alternative, den Fehlbetrag aus der eigenen Tasche zuzuschießen oder die
Linie an Günther weiter zu geben. Als alter Empire-Builder entschied er sich für die
erste Alternative, kratze alle seine Mittel zusammen und finanzierte der B&O
den Rest für eine Diesel.
Leider dauerte das Spiel nur noch eine Operations-Phase, so daß sich diese Investition
für ihn nicht mehr lohnte. Das Ende vom Lied: Günther hatte keinen einzigen Rückschlag
erlebt und wurde mit 8916 Dollar Gesamtergebnis deutlich Sieger. Aaron und ich hatten in
der Dieselphase zu viele Federn lassen müssen und landeten abgeschlagen am Ende. Peter
hatte sich die ganze Zeit über bedeckt gehalten: keine pointierte Gesellschaftspolitik
verfolgt, keine eigene Handschrift als Präsident hinterlassen, und war im Wesentlichen
nur Trittbrettfahrer bei den Linien des Markes gewesen. Vor einem bösen Erwachen war er
glücklich verschont geblieben. Ganz im Gegenteil, als seine Mitspieler verkaufen mußten,
um die Mittel für die Diesel bereitzustellen, hatte er Priorität und verdiente sich mit
seinen sicherheits-orientierten Angstverkäufen eine goldene Nase. So wurde er mit 7310
Dollar Gewinn ungefährdet Zweiter.
