Spielbericht vom 22.9.2004
Autor: Walter
am Tisch: Günther, Loredana, Peters, Walter
auf dem Tisch: Ursuppe, Saga
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Ursuppe
Über dieses Spiel ist schon viel geschrieben worden. Einhellig sind die Kommentatoren
der Meinung, daß das Thema vorzüglich umgesetzt worden ist. Diesem Lob kann ich mich nur
anschließen.
Alle Spieler treiben als Spezies von einfachsten Lebewesen in einer
“Ursuppe”, d.h. in einem Meer von Primitiv-Nahrung herum und ihr ganzer
Lebenszweck ist fressen und verdauen. Was die einen ausscheiden stellt die Nahrung der
anderen dar. Wer nichts zum Fressen hat, der hungert und stirbt, und zerfällt dabei
wieder in Nährstoffe für die Nachwelt. Das ist der ewige Kreislauf des Lebens.
Durch unterschiedlichste Gene, die sich jede Spezies – sprich jeder Spieler – so nach
und nach zulegen kann, erwirbst sie sich Sondereigenschaften, die ihre
Überlebensfähigkeit im Daseinskampf fördern. Es gibt vier grobe Richtungen von Genen:
- Genügsamkeit: zum Überleben reicht weniger oder einseitigere Kost und man kann länger
hungern ohne zu sterben. - Reproduzierbarkeit : man kann sich schneller vermehren oder per Sporenflug seinen
Nachwuchs in den nahrungsreichsten Gebieten beginnen lassen. - Parasitentum: man lebt zum Teil auf Kosten seiner Mitbewohner; das geht soweit, daß
man sie mangels Alternative schließlich sogar gänzlich auffrißt. - Bewegung: man lernt, sich sicherer, schneller und billiger zu bewegen und kann damit
günstigere Gegenden zum Fressen oder zum Nicht-Gefressen-Werden anstreben.

Meine Lieblingsgene sind “Lebenserwartung” und “Teilungsrate”.
Damit lebt meine Art ein Drittel länger als die Konkurrenz und die Vermehrung kostet ein
Drittel weniger als die meiner Mitlebewesen. Ohne jeden Streß setze ich meine Nachkommen
in die Welt und überlasse sie ihrem Schicksal. Es beängstigen mich auch keine bösen
Killer-Amöben: Sollen sie meine Kinder doch vernaschen! Er werden schon noch genügend
viele überleben, und problemlos kann ich ausreichend neuen Nachwuchs hervorzaubern.
In unserer Runde gewann Günther über seine Beweglichkeit. Er konnte – auch dank ein
bißchen Würfelglück -fast immer Felder mit reichlicher Nahrung erreichen und dabei oft
genug den begehrlichen Freßambitionen von Peter entkommen. So blieben für den Schwarzen
Peter meist nur meine armen Amöben-Waisen zum Fressen übrig. Leider ein paar Mal zu
oft.
Ein sehr schönes Spiel, mit sehr viel Liebe und Schmunzeln zum Detail. Für Biologen
fast ein Muß. Für aufklärungsfreudige Eltern mit Vorschulkindern auch! Grafik und
Ausstattung sind sehr gelungen: klare, solide Holzteile (siehe auch das Interview mit
Gláucio Santos dos Reis bei spotlightongames).
Einziger kleiner Nachteil: Wenn Grübler am Werke sind, kann sich die Gen-Auswahlphase
schon mal hinziehen. Und die eindeutig beste Besetzung sind genau vier Spieler; eine
Zahl, die nicht immer zusammenkommt.
Westpark Gamers Wertung: 7
Anhang
Liebe Leser, dieser Anhang hat überhaupt nichts mit dem Spiel “Ursuppe” von
Doris und Frank zu tun. Bitte verzeiht mir, wenn ich ihn hier hinter den Spielkommentar
anfüge.


Wenn man am Freitag Abend eingeklemmt im Bierzelt des Hofbräuhauses auf dem
Oktoberfest sitzt (oder steht) und noch an seinem Spielbericht über die
“Ursuppe” knabbert, dann fallen einem unweigerlich Parallelen zwischen dem
(Über-)Leben im Zelt und den Prinzipien der “Ursuppe” ein:
- Die Nahrung besteht für jeden aus genau drei Elementen (Bier, Bretzen und Händln).
- Alle Planquadrate (heißen hier “Boxen”) sind mit unterschiedlichen
Quantitäten der gleichen Nahrung und der gleichen Ausscheidungsprodukte angefüllt. - Die wesentlichste Fortbewegungsart ist das Treiben lassen. Jede Eigenbewegung kostet
unweigerlich eine Menge Energiepunkte. - Ab und zu einmal kommt eine Tentakel-Amöbe mit Bierkrügen oder Bretzen-Gestellen
vorbei. - Es gibt “Klammern”, “Überlebungskampf”, “Verteidigung”
und “Flucht”. - Intelligenz zählt nicht viel; sondern wie bei “Ursuppe” höchstenfalls in
Phasen friedlichen Überangebotes von Nahrung und Platz.
Könnte man aus diesen – und noch viel mehr – höchst originellen Zutaten nicht ein tolles
“Oktoberfest”-Spiel zusammenbrauen? Spiel-Designer an die Front! Der Name ist
noch nicht vergeben und noch nicht geschützt (
die Beispiele wurden unter Verwendung
der offiziellen Oktoberfestplakate erstellt
). Als Titel in einer Spielwarenabteilung
aber sicherlich von einigem Marketing-Vorteil. Zumindest in München.
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Saga
Bei diesem Kartenspiel erhält jeder Spieler einen gleichen Kartensatz und legt seine
Karten reihum einzeln offen auf einen oder mehrere eigene Stapel vor sich ab. Ziel des
Ablegens ist es, einen oder mehrere der sechs ausliegenden Kartenstapel zu erobern und
damit zu punkten. Ein Kartenstapel ist erobert, wenn die Summe der Kartenpunkte in einem
Spieler-Stapel höher ist als die Summe der Kartenpunkte in dem ausliegenden Stapel.
Als Ergebnis der Eroberung wechselt der Stapel den Besitzer. Die Top-Karte des Stapels
erhält der Eroberer und legt seine Eroberungskarten dazu. Der frühere Besitzer nimmt alle
ursprünglichen Stapelkarten wieder auf die Hand.
So wechselt ein Stapel mehrmals den Besitzer und der Wert der zugehörigen Karten wird
dabei immer höher. Es ist mathematisch klar, daß dieses Wechseln irgendwann mal ein Ende
hat; schneller sogar, als es nach dem ersten Anschein aussieht, wenn die Stapel noch so
munter hin und her gehen.
Sobald ein Spieler keine Karten mehr auf der Hand hat ist Schluß. Gewonnen hat der
Spieler, dessen Eroberungskarten in der Summe den höchsten Wert darstellen.
Das Spiel hat mehr Pfiff, als es auf den ersten Blick vermuten läßt. Bei allem
Stapel-Erobern darf man nicht übersehen, daß jeder Spieler im Prinzip von Anfang bis Ende
den gleichen Kartenstapel behält. Es kommt also darauf an, die Kartenablage so abzulegen,
daß sie bei Ende des Spiels in der günstigsten Verteilung plaziert sind.
Jeder Spieler sollte auch nicht nur mit einem einzigen Angriffsstapels operieren,
sondern er sollte gleich möglichst viele Angriffsstapel anfangen. Damit vermindert er die
Zahl der Restkarten in seiner Hand und hat einen steigenden Einfluß auf das Spielende,
das er ja mit seiner letzten Handkarte herbeiführen kann. Durch viele ausliegende
Eroberungsstapel bei allen Spielern kann sich die Situation zu einem spannenden Endkampf
entwickeln. Dann entscheidet nicht nur Chaos und Willkür, sondern vielleicht sogar eine
sehr langfristige kluge Vorausplanung.
Wir haben das Spiel zum ersten Mal gespielt und sind dabei sehr eindimensional
vorgegangen. Entsprechend reduziert war unsere Notengebung. Das Spiel hat aber einen
neuen Anlauf verdient. Vor allem, wenn wir uns alle mehr Gedanken über eine erfolgreiche
Taktik gemacht haben.
Westpark Gamers Wertung: 4,5

