Banana Republika

Banana
Republika

rezensiert von Walter Sorger

Schon die alten Griechen wussten: Vor den Preis haben die Götter den Schweiß
gesetzt!

Für einhundertfünfundfünfzig verschiedene Karten hat sich der Autor
einhundertfünfundfünfzig verschiedene politische Texte einfallen lassen müssen. Mühsam,
mühsam! Offensichtlich kam er sich dabei ziemlich geistreich vor. Zu den Ausschüssen
dichtet er “verlauste Ausschussware“, das Ressort für “Familie
& Soziales” wird von “Trunksucht, Lallerei und besoffenen
Anfreundungen
” befallen und im Auswärtigen Amt reitet das “Zugpferd des
Dummgelabers, El Presidente Sophistical, den Paragraphen-Reiter
“. Meine
kritische Freundin Sieglinde würde hierzu nur ein abfälliges “witzig, witzig!”
von sich geben. Dem kann ich mich voll anschließen.

Aus den ganzen, vollmundig vorgetragen Spieltexten und Spielregeln lassen sich nur
zwei bis drei staubdürre Prinzipien herausdestillieren:

1) Ziehe vom einen verdeckten Stapel die richtigen Karten, die dir erlauben, Pöppel
(=Abgeordnete) in die verschiedenen Felder (=Institutionen) des Spielbretts (=Parlament)
zu legen.

2) Ziehe vom einem verdeckten Stapel die richtigen Karten (=Gesetze), die dir in den
Institutionen des Spielbretts möglichst viele Siegpunkte einbringen.

2½) Ziehe von einem (der bereits bekannten) verdeckten Stapel die richtige Karten,
mit denen du die Aktion eines Gegenspielers unterbinden kannst.

board

Zum Kassieren der Siegpunkte braucht man eine Mehrheit an Abgeordneten. Wer glaubt,
die notwendigen Mehrheiten in der richtigen Institution beisammen zu haben, für die er
zufällig eine passende Gesetzeskarte in seiner Hand hält, darf über dieses Gesetz
“diskutieren” lassen.

Diskutieren! Ich habe immer geglaubt, das Wort hätte etwas mit Argumentation zu tun,
möglichst sogar noch mit angehobenem Schallpegel. In der “Banana Republika”
erschöpft sich die ganze Diskutiererei darin, dass jeder reihum stillschweigend eine
einzige Karte ausspielt, mit der er die Mehrheitsverhältnisse in den Institutionen
verändert. Da kriegt die diskutierende Stummheit ja einen Lachkrampf!

Auf der Schachtel verspricht der Autor “Lachen bis der Hartz kommt!
und “Auf dem satirischen Weg ins Kabinett der Absurditäten“. Bei näherem
Hinschauen merkt der Blinde schon mit seiner Krücke, dass da nur leere Worthülsen
plakatiert sind. Absurd sind nur die Spielregeln. Die Joker-Karte “erlaubt
ausdrücklich Alles!”. Was ist denn “Alles”, wenn nicht einmal das
“Wenig” erkennbar ist? Wer die Karte “Schröder’sche Neuwahl”
gezogen hat, beendet das Spiel: Sofort und mit sich als Sieger! Da war das ganze
vorhergegangene Ziehen von Pöppel-Verteilungskarten und Siegpunkt-Diskutierkarten nur
Makulatur. Witzig, witzig!

Sich selbst zu huldigen” – “die Mitspieler zu
demütigen
” – “erbarmungslos“, “fies schlapp“,
die anderen räudigen Köter am runden Tisch” – mit dieser verbalen
Kraftmeierei im Regelheft soll Spielstimmung erzeugt werden. Wes Geistes Kinder hat man
denn da im Auge gehabt? Für Spieler ab 16 Jahre soll das Spiel sein; doch für Halbstarke
ist es zu schlapp und für Erwachsene zu schal!

Vielleicht ist bei “Banana” nur das Medium falsch gewählt. Es ist weniger
ein Spiel, als viel mehr der Versuch, politische Assoziationen unter die Leute zu
bringen. Hallo Autor, versuch doch mal, mit deiner Bilderstory in einer satirischen
Zeitschrift zu landen. Die sind heutzutage doch auch nicht mehr so wählerisch. Aber sei
dort bitte nicht gleich wieder so euphorisch wie in der Republika. Nicht hinter jeden
triefenden Schweiß haben die Götter einen Preis gesetzt!