von Walter am 19.06.2008 (1.209 mal gelesen, keine Kommentare)

Aaron hat mal wieder an unserer Homepage-Oberfl├Ąche herumgebastelt. Jetzt kann man darauf Spiele f├╝r eine x-beliebige Spielerzahl suchen und gleichzeitig dabei noch die Auswahl danach sortieren, wie einem (oder beliebig vielen) Mitspielern der Westpark-Gamers das Spiel gefallen hat.
Geschlagene 57 Mails haben wir in den letzten drei Tagen hin und her geschickt, um den letzten Schliff an der Oberfl├Ąche anzubringen. Allein die Frage, ob man nur f├╝r eine feste Mitspieleranzahl oder aber auch f├╝r einen variablen Bereich von Mitspielern die Spielliste abfragen k├Ânnen soll, hat die verschiedenen Ansichten ganz sch├Ân aufeinanderprallen lassen. Und was soll z.B. bei “4-5” Spielern ausgegeben werden? Spiele, die man AUCH mit 6 oder mehr Spielern spielen kann UND Spiele, die man nur f├╝r maximal 4 Spielern gehen? Frage ├╝ber Fragen und L├Âsung ├╝ber L├Âsungen. Noch herrscht kein einheitliches Meinungsbild, aber Aaron wird’s schon richten.
Um bei der Ausgabe der Spiele mehr ├╝ber den Charakter eines Spiels zu erfahren, mu├č man nur wissen, welche Vorlieben wir WPG-Kritiker haben, und schon erh├Ąlt man f├╝r jede Spielerzahl gleich eine ganze Latte von Spielen, die der gew├╝nschten Eigenschaft entsprechen sollten.
Das Problem dabei ist nat├╝rlich, da├č die Au├čenwelt unsere Vorlieben nicht so genau kennt und mit der Aussage, da├č z.B. Moritz einem bestimmten Spiel au├čerordentlich gute Noten vergeben hat, nicht viel anfangen kann. (Bei Moritz sowieso nicht!)
Hier mal, ohne Gew├Ąhr, ein erster Versuch, unseren Vorlieben zu klassifizieren:
Aaron mag Spiele, “├╝ber die man spricht”.
Andrea mag Chaos- und Nightmare-Spiele.
G├╝nther mag Spiele, die man SPIELT.
Hans mag Spiele, die man denkt.
Walter mag Spiele, die man plant.
Peter mag Diplomatiespiele.
Loredana mag alle Spiele ihres Peters.
Moritz mag W├╝rfelkampfspiele mit Hintergrund.
Nat├╝rlich sind nicht alle Spiele der Welt in unserer Datenbank enthalten, sondern nur solche, die wir selber bewertet haben. Immerhin sind das nach heutiger Z├Ąhlung schon 500 St├╝ck!
Wenn “ihr” also z.B. wissen wollt, welches Spiel sowohl dem W├╝rflkampf-Charakter als auch einem Strategie-Charakter am nahesten kommt, dann landet ihr bei ┬ů jawohl “Junta”. Wenn ihr den Normalo-Kern Aaron, G├╝nther und Walter nach ihrem Lieblingsspiel abklopft, dann landet ihr ┬ů na klar, bei unserem historischen Untertitel: “1830”. And more.
Moritz hat der Euphorie ├╝ber dieses unser Angebot gerade einen D├Ąmpfer versetzt. Bei Boardgame-Geek gibt es schon lange eine Oberfl├Ąche, ├╝ber die man sich Spiele nach den verschiedensten Selektionskriterien herausfiltern kann. Hundert mal mehr Kriterien als bei uns, und das f├╝r zwanzig mal mehr Spiele.
F├╝r uns selbst bleibt bei unserer L├Âsung gegen├╝ber Boardgame-Geek nur der Vorteil:
1) Kennen wir die Spiele
2) Haben wir sie im Keller oder unter dem Sofa griffbereit.
Wie es hier die Non-Westparker halten, das darf zum Gl├╝ck jeder f├╝r sich entscheiden.
1. “Senji”
F├╝r Moritz war es neu, G├╝nther bi├č in den sauren Apfel, Aaron und Walter wollten dem Spiel noch eine zweite Chance geben, Mit ungew├Âhnlich intelligenten und sensiblen Strategieabsprachen, mit wohldosiertem Militarismus wollten sie pr├╝fen, ob das Spiel noch zu retten w├Ąre.
Unserem Warrior Moritz konnte Aaron binnen 10 Minuten die Regeln erkl├Ąren. Moritz vermi├čte gleich ein paar neutrale Aufmarschgebiete, damit die Kriegshandlungen nicht gleich so unvermittelt losbrechen konnten und man auch noch Chancen f├╝r Drohgeb├Ąrden hatte. Gab es nicht! Alles geht ansatzlos in den Krieg ├╝ber.
Moritz behielt sich in der Startaufstellung einen Samurai, der ihm erlaubte, mit einen beliebigen Spieler verdeckt eine Handelskarte zu tauschen. “To exchange” hei├čt es in der Spielregel. Hei├čt das jetzt “blind ziehen” oder “sehend austauschen”. Moritz war nat├╝rlich f├╝r die zweite Interpretation, doch Aaron verteidigte vehement Bruno Cathalas “gutes Englisch”, es mu├č “blind” hei├čen. Moritz durfte seinen Start-Samurai nochmals gegen einen besseren umtauschen.
Walter suchte zu Beginn in Moritz einen bekannterma├čen erfahrenen Kampfgenossen, doch der z├Âgerte noch. Im Gegensatz zu G├╝nther, der unverz├╝glich auf das Angebot einging. Sie teilten gegenseitig Geiseln aus, um ihr Milit├Ąrb├╝ndnis zu unterstreichen, und gaben sich noch zus├Ątzlich jeweils f├╝nf blinde Diplomatenkarten, mit denen sie sich pro Runde f├╝nf Siegpunkte zuschustern konnten. Fragw├╝rdiges Spieldesign!
Walter spielte trotz verbalem S├Ąbelrassen absolut friedlich. Er erwarb sich ausschlie├člich punktetr├Ąchtige Handelskarten, w├Ąhrend G├╝nther die vermutete Aufr├╝stung betrieb. Moritz und Aaron war eigentlich die L├Ąmmerrolle zugedacht, doch das war die Rechnung ohne der Wirt gemacht. Sie wollten sich keinesfalls abschlachten lassen und r├╝steten ebenfalls ganz gezielt auf. Und als Walter in der zweiten Runde immer noch ausschlie├člich auf Handelskarten spekulierte, fiel Moritz in gewohnter Krieger-Routine ├╝ber ihn her und murkste ihn samt Kind und Kegel ab.
Das war f├╝r ihn ein entscheidender Vorteil. Er suchte mit seiner gewachsenen Potenz auch gleich neue Partner. Aber G├╝nther lie├č ihn konsequent abblitzen. Moritz war konsterniert: “Aber hallo, wie spielt ihr denn das Spiel!” Unser 3-Punkte-M├Ązen lie├č sich nicht erweichen: “Das kann man gar nicht vern├╝nftig spielen”!
Walter stand bereits mit dem R├╝cken zu Wand, als er seine Resttruppen in ein Scharm├╝tzel gegen Aaron warf. Der W├╝rfel war ihm hold und er konnte gl├╝ckliche 12 Siegpunkte einstreichen. Zusammen mit allen sonstwie noch zusammenkratzbaren Siegpunkten brachte er es auf 62 St├╝ck und l├Ąutete damit die Endrunde ein.
Moritz zog noch an ihm vorbei und unterstrich damit sein Warrior-Talent. Seine fr├╝he Eroberung hatte ihm geholfen, aber zum Planen und Ausf├╝hren dieses Vorgehens geh├Ârt halt doch auch ein Quentchen Erfahrung. Trotz seines Sieges qualifizierte er das Spiel als “komplett broken” ab. Die Quartett-Sammelkarten sind bekloppt und die Samurais haben Eigenschaften, die man nie nutzt. Das Spiel wei├č nicht, was es ist, Fisch oder Fleisch, Handel oder Krieg. Am Ende gewinnt der W├╝rfel oder das Kartengl├╝ck. Unsere einzige Hoffnung, eine funktionierende Diplomatiephase, l├Âste sich in Nichts auf.
WPG-Wertung: Aaron: 3 (2 Punkte weniger), G├╝nther: 3 (konstant), Moritz: 2 (Sieger und Warrior!), Walter: 4 (konstant)
Walter hat schon eine Rezension geschrieben.
2. “Zug um Zug”
In einer Dreierrunde hatten wir es schon einmal angespielt, jetzt sollte es in einer Viererrunde seine Nageprobe bestehen.
Wie beim Brettspiel gibt es Eisenbahnkarten, die man sammelt, um damit ausgew├Ąhlte Strecken abzudecken. Zu viert geht das Spiel ├╝ber zwei Runden; nach der ersten Runde darf man seine Hand- und Steckenkarten behalten, mu├č aber die offene Kartenauslage und alle nicht genutzten Stapelkarten abgeben. Da mu├č man eine ganz andere Kartenpflege anwenden als in einer 3er Runde. Eine reichliche Kartenauslage zur Halbzeit ist rausgeschmissenes Kapital.
Wenn allerdings alle Spieler in der ersten Runde mit der Streckenumsetzung knausern, gibt es wenig Material f├╝r die zweite Runde und diese ist entsprechend schnell zu Ende. Dann bleibt jeder auf seiner Kartenhand sitzen.
Aaron gewann mit einem Riesenvorsprung und lie├č verlauten, da├č er “gut” gespielt habe. Walter bestritt das “gut”, er h├Ątte das eher einem gewissen Zufallseffekt zuzuschreiben. Aaron konterte: “Dann lag das an euerer Dummheit.” Lassen wir es offen.
In jedem Fall bleibt festzuhalten, da├č das gro├če Brettspiel “Zug um Zug”, gl├Ąnzendes Spiel des Jahres 2004, f├╝r seinen kleinen Bruder nicht viel Glanz ├╝brig gelassen hat. Das entscheidende Element Spannung ist dahin und hat einem bi├čchen Chaos den Platz freigemacht. War unser Ergebnis vielleicht doch nur Aaron’s Gl├╝ck?
WPG-Wertung: Aaron: 5, G├╝nther: 5, Moritz: 6, Walter: 6
3. “Bacchus Banquet”
Die Spieler bekommen eine zuf├Ąllige Rolle aus dem claudischen Kaiserhaus zugeteilt und m├╝ssen durch Fressen, Saufen, Singen und Morden je eine individuelle Siegbedingung erf├╝llen.
Auf einer offenen Auslage liegen sieben Karten mit Essen, Trinken, einem Dolch oder sonstige Utensilien, die einen Caligula, Cassius, Claudius oder Vespasian gl├╝cklich machen. Zum Spielablauf nimmt der Aktionsspieler drei der sieben Karten auf die Hand, beh├Ąlt verdeckt eine davon (Keep-Karte), schenkt verdeckt eine einem Mitspieler seiner Wahl (Gift-Karte) und wirft die dritte verdeckt auf den Ablagestapel (Discard-Karte).
Der beschenkte Mitspieler darf die Gift-Karte ohne anzusehen ablehnen und weitergeben. Wenn sie keiner haben will, mu├č sie der Startspieler wieder zur├╝cknehmen. Jeder legt die erhaltenen Karten offen vor sich hin und hofft, so allm├Ąhlich die ben├Âtigte Sammlung zusammen zu bekommen.
F├╝r Essen und Trinken gibt es Minuspunkte und wer zuviel davon hat, stirbt und kommt mit Null-Besitztum als neuer R├Âmer wieder ins Spiel.
Wer eine Gift-Karte angenommen hat, wird neuer Aktionsspieler. Die nicht involvierten Spieler schauen in die R├Âhre. Damit man aber nicht bis zum Schlu├č vom pulsierenden Leben ausgeschlossen bleibt, hat jeder noch eine Sonderkarte, mit der er das Gift zwangsweise an sich rei├čen oder sonstige Unberechenbarkeiten anstellen kann. Und wer mit seinem Kartenerwerb ganz in R├╝ckstand ger├Ąt, darf sich auch regelrecht vordr├Ąngeln. Aber alles ein bi├čchen unbefriedigend. (F├╝r mich.)
Ich war Vespasian und mu├čte f├╝r meinen Sieg f├╝nf Tellergerichte verspeisen, ohne dabei zu platzen. Endlich mal als Aktionsspieler an der Reihe nahm ich ein 3er Essen, eine 2er Abnahmekarte und eine 6er Gift (Poison!)-Karte auf die Hand. Das Poison war zur Abschreckung, ich legte es auf den Ablagestapel und hoffte, auf meinen beiden Essenkarten sitzen zu bleiben und damit ohne Gewichtszunahme dem Ziel einen Schritt n├Ąher zu kommen. Am Ende vertauschte Moritz mit seiner Sondereigenschaft die Discard-Karte mit meiner Keep-Karte, ich bekam gar kein Essen sondern nur die 6 Poison-Punkte, die meinen ersten (oder zweiten) Tod bedeuteten. Dumm gelaufen? Nein, ganz normales D├Âdeln. Mehr liegt im BB nicht drin. Man mu├č nur dazu aufgelegt sein.
WPG-Wertung: Aaron: 6, G├╝nther: 6, Moritz: 8, Walter: 3 (nix, to have a plan)
Moritz redete wegen der mageren Wertungsnote auf Walter ein wie ein Bauer auf seine kranke Kuh. Doch der lie├č sich nicht umstimmen. Allgemeine Schlu├čfolgerung: Er hat es immer noch nicht verstanden. (Wer?)
4. “Bluff”
Walters einleitende Bemerkung “wenigstens ein gutes Spiel pro Abend” war schon ein bi├čchen provokativ.
Seit langem mal wieder gab es ein Endspiel von drei Spieler mit je einem W├╝rfel. Moritz kickte sich mit einer 1 mal F├╝nf-Vorgabe selbst aus dem Rennen.
Jetzt ging unser Immer-5-Stratege G├╝nther mit einer 1-mal-die-Vier-Vorgabe ins Rennen. Walter hatte eine Zwei und versuchte es mit 2 mal die Zwei. Nat├╝rlich vergeblich, denn G├╝nther konnte dies mit seiner Vier unter dem Becher leicht anzweifeln.
Post mortem gab es von allen Seiten Vorschl├Ąge, was Walter h├Ątte besser machen k├Ânnen: 1 mal die F├╝nf, 1 mal der Stern, 2 mal die Vier. Doch wenn selbst der Immer-5-Stratege mit 1-mal-die-Vier anf├Ąngt, dann mu├č das wohl eine Vorgabe sein, gegen die kein Kraut gewachsen ist.
Keine neue WPG-Wertung f├╝r ein Super-Spiel.