13.11.2019: Zum zweiten Mal und genau nur einmal

1. “Glen More II – Chronicles”

Aaron und Günther haben sich beide „Glen More II“ zugelegt und vergleichen den Inhalt
Ein gutes Spiel, von der Öffentlichkeit honoriert, zeugt augenblicklich Junge. „Augenblicklich“ ist übertrieben, denn es dauerte geschlagene 9 Jahre bis Michael Cramers WPG-6-punktiges „Glen More“ via Kickstarter sein erstes Junges bekam.

Bei der „Mutter“ hat vor allem der Zugmechanismus überzeugt. Der ist beim Kind auch vollständig vererbt worden. Innerhalb eines Rundkurses von Landschaftsplättchen darf jeweils der an letzter Stelle liegende Spieler beliebig viele Felder vorwärts auf ein Feld ziehen und dieses an sich nehmen. Bleibt er dabei Letzter, darf er nochmals ziehen, beliebig oft, bis halt ein anderer Letzter geworden ist.

Viele Plättchen sind ein Vorteil, weil jedes einzelne einen Beitrag von Rohstoffen liefert, oder Betriebsmittel, um Rohstoffe in Siegpunkte umzuwandeln. Jedes Plättchen hat aber auch den Nachteil, dass es in der Schlusswertung 3 Minuspunkte einbringt. So lohnt es sich durchaus, auf nur die besten Plättchen zu setzen und ein kleines, aber sehr feines Reich aufzubauen.

Anspruchsvoll bzw. hübsch planungsvoll ist auch das Einbauen und Werten der genommenen Plättchen im eigenen Landschaftsgarten. Hier eine optimale Topologie hinzulegen, um mit minimalem Einsatz eine maximale Aktivierungs-Ausbeute zu erzielen, entscheidet über den Sieg.

Allerdings ist nicht alles planbar. Die Qualität und Reihenfolge, wie die Landschaftsteile ins Angebot kommen, unterliegen einem gewissen Zufallseffekt, und wenn ein bösartiger Mitspieler uns einen Knüppel zwischen die Beine werfen will und tut, hilft die beste Planung nicht.

In unserer dritten Phase des Spiels kam das Plättchen „Kenmore Fair“ ins Angebot. Sein Erwerb kostet 1 Holz. Aaron und Günther hatten gerade ihr letztes Holz verholzt, auf dem Markt gab es aktuell auch keines zu kaufen, so dass dieses Plättchen für sie unerschwinglich war. Mehr oder weniger zwangsläufig fiel es Walter als einzigem Holzbesitzer zu. Zudem konnte der es so in seinen Landschaftsgarten voller – mangels besserer Nutzplanung noch – herumliegender Rohstoffe einbauen, dass er es insgesamt 4 mal aktivieren und dabei jeweils vier verschiedene Rohstoffe abgeben konnte, so dass er damit insgesamt 32 Siegpunkte auf seinem Konto gutschreiben konnte. Die halbe Miete zum Sieg und soviel, wie Günther in der Schlusswertung insgesamt erzielte.

Walter als Sieger und Günther als Letzter: das spricht dann allerdings schon weniger für die planerische, intellektuelle Herausforderung von „Glen More II“. Es gibt einfach zu viele verschiedene Wege zum Sieg, und an welchem Weg der entscheidende Goldklumpen liegt und wer ihn findet und einsäckeln kann, das ist zu einer erheblichen Portion glücksabhängig. Gut oder schlecht?

Noch ein weiteres Kriterium für Walters Sieg. Wir haben Expansion 1 „The Dragon Boat Races“ gespielt. Hier darf man seine Bewegungspunkte auch zur Beförderung seines Schiffes auf einem Rundkurs durch die Gärten aller Mitspieler nutzen. Auf diesem Rundkurs liegen alle naslang Haufen von Bonusplättchen herum, aus denen sich der Vorbeifahrende jeweils eines heraussuchen darf. Wer zuerst lostigert bekommt auch das Beste. Eigentlich darf man erst ab Phase 2 mit seinem Boot ablegen. Aus einem Regelversehen heraus fingen wir aber unverzüglich an, die – am Anfang noch besonders überflüssigen – Bewegungspunkte in unsere Schiffe zu investieren. Und auf Walters Kurs lagen die Bonusplättchenhäufchen innerhalb der kürzesten Distanz. Der Rundkurs brachte ihm weitere 15 Siegpunkte ein und zudem eine erkleckliche Anzahl weiterer Prioritätsvorteile. Vielleicht hätte bei regelgerechtem Spiel doch Günther gewonnen. Wir werden das in der näheren Zukunft vielleicht noch entscheiden können, denn „Glen More II – Chronicles“ enthält 9 verschiedene Expansions. Da wird dieses Spiel bestimmt noch häufiger bei uns auf den Tisch kommen.

WPG-Wertung: Aaron: 8 (wollte als Primär-Strategie mit möglichst wenig Plättchen auskommen, wurde damit immerhin noch Zweiter), Günther: 8 (ein Super-Spiel mit einem Super-Zugmechanismus), Walter: 7 (der Zugmechanismus ist zweifellos gut, aber ja nicht unbekannt, komplexe Nebeneffekte mit dosierten Zufallseinflüssen stehen in Konkurrenz zur Planbarkeit).

2. “Just One”

Das Spiel des Jahres 2019 können wir nicht an uns vorbeigehen lassen, auch wenn Partyspielchen am Westpark nicht die größte Vorliebe entgegengebracht wird. Hier geht es um Wörter Umschreiben und Wörter-Erraten. Ein absolut neues Spielprinzip, oder? Wenn zwei oder mehr Mitspieler – ohne Absprache – das gesuchte Wort mit dem identischen Begriff umschreiben, patten sie sich aus und der Rater muss ohne diese Hinweise auf das gesuchte Wort kommen. Das ist nun wirklich neu, oder? Das Ratewort „Pyramide“ kann man z.B. mit a) „Weltwunder“ und b) „Tetraeder“ umschreiben. Aber bitte nicht von zwei Spielern mit jeweils dem gleichen Wort!

In einer 3er Runde darf jeder Spieler zwei Umschreibungen vorbringen. Das ist natürlich ein großer Vorteil für das Raten, denn durch konzertierte Begriffspaare kann man das Gesuchte viel leichter kenntlich machen. Gibt einer z.B. „Charme“ und „Melone“ zum Besten, dann dürfte das Lösungswort „Schirm“ doch recht nahe liegend sein. Zumindest für die Generation, die ab 1966 eine der 187 Folgen dieser Krimi-Serie im deutschen Fernsehen verfolgen konnte. Dagegen ist es fast ausgeschlossen, dass von unabhängigen Köpfen einer „Charme“ und ein anderer „Melone“ hinschreibt.

Auch das Ratewort „Musik“ kann am Westpark von einem Spieler natürlich ganz leicht mit den beiden Begriffen „Moritz“ und „macht’s“ beschrieben werden, wobei „macht’s“ als Einzelwort vielleicht nicht erlaubt ist, dafür muss man dann vielleicht „Produkt“ hinschreiben.

Eigentlich sollte man sich beim Hinschreiben der Umschreibungswörter nicht absprechen. Aber „Just One“ ist doch ein Partyspielchen. Es dient der leichten, lockeren Unterhaltung in einer gut gelaunten Runde, ggf. mit Witz und Witzen. Warum sollen sich die Rater dann im wohlverstandenen Sinne nicht wenigstens mit den Sätzen „ich nehme das Einfache, Naheliegende, nimm’ du etwas Komplizierteres“ soweit verständigen, dass sich ihre Wörter nicht auspatten. It’s party time!

Wir landeten am Schluß in der Kategorie „Starkes Team“. Das waren wir auch, obwohl (oder weil!) Aaron ganz strikt bekundete: „Ich leg’s drauf an, dass sich zwei auspatten!“

WPG-Wertung: Wir haben vergessen, die Noten abzufragen. Walter vergibt schon mal 6 Punkte. Für die beste Ausstattung von abwaschbarer Tinte und abwaschbarer Schreibunterlage, die er seit „Dampfross“ kennen gelernt hat.)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.