1. “Krakel Orakel”
Jeder Spieler hat vor sich ein Blatt mit Linien wie auf einem Schnittmusterbogen von Burda. Darauf muss jeder simultan ein verdeckt auf einem Kärtchen vorgegebenes individuelles Objekt zeichnen – Katze, Baum oder Orangensaft. Danach werden die Zeichnungen öffentlich ausgestellt. Die Kärtchen mit den vorgegebenen Begriffen werden eingesammelt, durch ein paar weitere Begriff verwässert und dann aufgedeckt. Jeder muss nun reihum eines der öffentlichen Begriffskärtchen eliminieren, bis nur noch gleichviele Kärtchen wie Zeichnungen auf dem Tisch liegen. Für alle „richtig“ Kärtchen gibt es Pluspunkte, für alle falschen Minuspunkte. Alle Spieler haben gemeinsam gewonnen oder verloren. Kooperativ.
WPG-Wertung: Andrea: 8 (Partyspielchen), Aaron: 6 (es gibt bessere), Günther: 7 (für das Zeichnen), Moritz: 7 (für die Kreativität), Walter: 8 (lustig und locker, beim Kooperativen Ende fehl noch ein Pfiff).
2. “Geistesblitz”
Fünf verschiedene Figuren (Maus, Buch, Geist, Flasche, Sessel) in fünf verschiedenen Farben liegen auf dem Tisch. Es wird ein Kärtchen aufgedeckt, das ebenfalls diese Figuren und diese Farben enthält, aber entweder ist genau nur eine der abgebildeten Figuren in der richtigen Farbe vorhanden, der alles ist falsch zugeordnet, dann fehlt entweder eine Figur oder eine Farbe.
Aufgabe ist es, möglichst schnell – am schnellsten – zu der Figur zu grapschen, die entweder auch in der Farbe richtig abgebildet ist oder die als einzige Farbe oder Figur fehlt.
WPG-Wertung: Aaron: 8 (für Kinder), Andrea: 8 , Günther: 7, Moritz:8 , Walter: 6 (für das therapeutische Geistestraining via Erkennen von Gleichheiten und Ungleichheiten; das schnelle Grapschen nach dem angezeigten Gegenstand ist nicht mein Fall: Verletzungsgefahr!).
3. “Baron Oxx”
Dieses Kartenspiel kommt im Gewand von „6 nimmt!“ daher, hat ja auch die gleichen Väter: In beiden Spielen wählt jeder Spieler verdeckt eine Zahlenkarte aus seiner Kartenhand, und alle Spieler decken ihre gewählte Karte gleichzeitig auf. Beginnend mit der niedrigsten Zahl legt jeder Spieler seine Karte an eine wohldefinierte von vier Zahlenreihen an. Ist es dabei die 6te Karte innerhalb einer Zahlenreihe, muss der Spieler alle diese Karten als Strafkarten an sich nehmen.
In „Baron Oxx“ ist dieser Anlage- und Nehmen-Müssen-Mechanismus extrem verchaotisiert. Jede angelegte Karte hat einen Faktor, der bewirkt, dass nicht immer – fast nie – die 6te Karte den Nehme-Prozeß auslöst, sondern im Extremfall bereits die erste oder zweite! Außerdem kann jede angelegte Karte die „Wohldefiniertheit“ der Zahlenreihe, an die ein Spieler seine Karte anlegen muss, total aushebeln.
„6 nimmt!“ ist am Westpark eines der beliebtesten Spiele ist. 15 mal wurde es insgesamt bei uns aufgetischt, wobei es jedesmal immer gleich mehrmals durchgespielt wurde.
chatGPT gibt die Antwort, warum „6 nimmt!“ für Logiker so beliebt ist:
a) Antizipation fremder Entscheidungen
Der eigentliche Reiz liegt im Denken über das Denken der anderen:
• Welche Karten könnten die Mitspieler noch haben?
• Wer wird wohl versuchen, welche Reihe zu verlängern?
• Wer „opfert“ vielleicht bewusst eine kleine Reihe?
b) Schwellen- und Kipppunkt-Analyse
Die 5-Karten-Grenze erzeugt ein interessantes Schwellenproblem:
• Wann ist eine Reihe „gefährlich“?
• Wann wird sie attraktiv?
• Wie kann ich andere in eine Zwangssituation bringen?
Logiker lieben solche kritischen Punkte in Systemen.
c) Minimierungsproblem
Im Kern ist es ein Optimierungsproblem: Minimiere deinen Erwartungswert an Strafpunkten über mehrere Runden.
Dabei musst du kurzfristige Sicherheit gegen langfristige Strukturentwicklung abwägen.
d) Kontrollierte Risikokalkulation
Man kann Wahrscheinlichkeiten grob abschätzen:
• Welche Zahlenbereiche sind vermutlich noch im Spiel?
• Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass zwischen zwei Karten noch eine liegt?
Das macht das Spiel zu einer Mischung aus:
• Kombinatorik
• Wahrscheinlichkeitslogik
• strategischer Heuristik
Logiker mögen diese Spiel, weil es
• Formal klar strukturiert ist
• aber sozial-dynamisch unberechenbar bleibt
• und man ständig mentale Modelle aktualisieren muss
Es ist gewissermaßen ein kleines iteratives Denk-Experiment in Kartenform.
Bei „Baron Oxx“ ist kein einziger dieser ansprechenden Aspekte erfüllt. Es ist nur noch ein Bier- und Brezel-Spiel zum Zeitvertreib.
WPG-Wertung: Aaron: 6, Andrea: 6 (Kneipenspiel), Günther: 7 (leicht, locker, lustig), Moritz: 6, Walter: 5 (keinerlei Vision beim Abspielen meiner Kartenhand, sorry, verehrte Wolfgang Kramer & Michael Kiesling, es funktioniert, aber es ist nicht mein Spiel.)
4. “Meister Makatsu”
Andrea durfte das hübsche kleine Stichkartenspiel von Rainer Knizia, das im September 2025 zweimal bei uns auflag, erstmals kennenlernen.
WPG-Wertung: Mit ihren 8 Punkten hob sie den WPG-Durschnitt um Null-Komma-Zwei Punkte.
5. “Welcome to the Moon”
Auch dieses am Westpark geschätzte Spiel aus der Reihe „Welcome to…“, das am Westpark (oder per Internet) schon häufiger punkten konnte, durfte Andrea erstmals kennenlernen.
WPG-Wertung: Mit ihren 7 Punkten (solitär aber gut) blieb sie genau im WPG-Durchschnitt (bei einer Signifikanz von 0).