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2.11.2022: Im fränkischen Drei-Länder-Eck

1. “Der Taubertalexpress”

Wo fließt denn die „Tauber“? Zumindest durch Tauberbischofsheim, der Schmiede für Olympische Goldmedaillen für deutsche Fechter und der Heimat unseres geschätzten Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees. Ansonsten weiß man darüber (wohl) nicht viel. Deshalb hat die Stadt Lauda-Königshofen ein touristisches Programm aufgelegt, in dessen Verlauf auch dieses Spiel über den „Taubertalexpress“ entstanden ist. Da das Taubertal wohl ziemlich lang aber nicht breit genug war, hat man in das Spielbrett auch noch Main und Neckar eingeschlossen, so dass unser Express jetzt von Miltenberg bis Crailsheim und von Heidelberg bis Würzburg durch das badische, württembergische und bayerische Franken kurvt.

Mein Geburtsort liegt nur etwas 10 km nördlich von Miltenberg und so sind mir die verschiedenen Orte, die unser Express ansteuert, namentlich wohl vertraut. Ich kann mich noch gut erinnern, dass der Eilzug, der durch unser Dorf ohne Halt durchgerauscht ist, als Zielstation Seckach-Osterburken hatte. Wir hatten keine Ahnung, wo das lag, es hätte auch Buxtehude hinter Grinnelili sein können. Blasphemische Frage: Wer von euch kennt schon Osterburken? Da tut ihr euch natürlich etwas schwerer, wenn ihr gerade unseren Bundespräsidenten Theodor Heuss mit dem Taubertalexpress von Mosbach nach Grünsfeld transportiert, aus dem Handgelenk heraus zu entscheiden, ob es sich lohnt, einen Umweg über Bad Mergentheim zu machen, um den dort ansässigen Benediktinerabt aufzulesen und ihn früher oder später in Wertheim aussteigen zu lassen.

Das wesentliche Element des Spieles ist es, in jedem der 7 Durchgänge a 3 Runden mindestens einen Pflichtpassagier an seinem Startbahnhof abzuholen und an seinem Zielbahnhof abzuliefern. Nicht ganz. Man muss zu Beginn jedes Durchgangs einen freien Wagen haben, den man für den Pflichtpassagier unverzüglich reservieren kann. Da man zu Spielbeginn aber nur einen einzigen Wagen hat, ist das Reservieren, Aufnehmen, Transportieren und Abliefern mehr oder weniger zwangsläufig, sofern man keine Strafpunkte kassieren möchte.

Natürlich wird man so früh wie möglich weitere Wagen an seinen Express anhängen, um beim Transport flexibler zu sein, vor allem aber auch, um aus einer offenen Passagier-Auslage weitere Passagiere aufzunehmen zu können und Strecken-Synergie beim Transport zu nützen.

Man kann anstelle von Personenwagen seinem Express aber auch Güterwagen angliedern und damit einen lukrativen Warentransport initiieren. Die Waren liegen aber nicht einfach so auf der Strecke, sondern wir müssen erst an entsprechenden Bahnhöfen Gütergebäude errichten, damit die Bauern dort ihre Zuckerrüben und Weintrauben abliefern und lagern können, bis der nächste Zug vorbeikommt und sie en passant mitnimmt.

Abladen darf man Güter nur an Bahnhöfen, an denen auch Passagiere aussteigen, und selbst dort nicht überall, sondern nur dort, wo die aussteigenden Passagiere ein Güterverladen akzeptieren. Theodor Heuss z.B. hat nicht toleriert, dass man an seinem Zielbahnhof auch noch Gemüse ablädt. Wer sich also auf Gütertransport verlegt, sollte darauf achten, dass seine Passagiere möglichst gemüsetolerant sind.

Viele hübsche Elemente hat das Spiel in sein Design integriert. Es erinnert an eine ganz frühe 1830 Implementierung – vor vielleicht 30 Jahren – wo wir auf unseren Strecken ebenfalls Güter produzieren und transportieren mussten. Jetzt kommt aber ein ganz hässlicher Mechanismus. Wir steuern unsere Aktionen durch Aktionssteine, die in fünf Farben vorliegen. Sie haben keine eigenständige thematische Bedeutung, sehr wohl aber eine wichtige Bedeutung für unsere Aktionen. Um unseren Express von Bahnhof zu Bahnhof zu bewegen benötigen wir einen Aktionsstein beliebiger Farbe. Da wir bei unserem Transport in der Regel viele Bahnhöfe anfahren müssen, können durch einfachste Auswahl der „Fahrsteine“ fast jede beliebige Farbkombination an Aktionssteinen in unserer Hand zurückbehalten. Dagegen sind zum Errichten von Gütergebäuden, zum Produzieren von Waren, vor allem aber zum Ausbau des Zentralbahnhofs Lauda wohldefinierte Farb-Kombinationen von Aktionssteinen notwendig. Wenn wir jetzt gegen Rundenende beim Fahren zufällig die falsche Farbe verschwendet hat – meist gibt man fast alle seine Aktionssteine ab -, und zu Beginn eines Durchgangs die notwendigen Aktionssteine entsprechender Farbe nicht ausreichend angeboten werden oder von Mitspielern bereits an sich genommen wurden, kann man in die Röhre schauen. Schlechte gelaufen!

Diese Aktionssteine und ihr Handling ist das größte Hemmnis für ein flüssiges, freudvolles Spiel. Warum hat man nur diese schwerfällige Lösung gewählt.

WPG-Wertung: Aaron: 4 (unnötige Kleinteilerei, zu zweit bekäme das Spiel vielleicht 6 Punkte), Günther: 4 (mit Tendenz zu 5; diese wenigen Punkte tun einem richtig weh; mit “Hausregeln“, d.h. mit Vereinfachung unnötiger Verkompliziertheit, könnte man das Spiel flüssiger und spielbarer machen), Walter: 5 (eigentlich hat das Spiel eine Substanz für 7-8 Punkte, warum hat man nur so viel Korinthen hineingekackt?!).