von Walter am 26.02.2009 (962 mal gelesen, keine Kommentare)

Aaron hat jetzt in alle unsere Rezensionen ein Feedback-Kästchen eingebaut: Jeder Leser hat die Möglichkeit, einen Artikel mit den Noten von 1 bis 10 abzukanzeln. Einfach auf die entsprechende Anzahl Sterne klicken, und schon hat man Lust oder Frust zum Ausdruck gebracht.
Achtung aufgepaßt: Jeder Absender kann pro Artikel nur einmal seine Stimme abgeben, dann wird keine Wertung mehr angenommen. Bitte also den richtigen Stern anklicken.
Bis jetzt sind die R√ľckfl√ľsse noch sehr sp√§rlich. G√ľnther bekam f√ľr seine zweite Dominion-Analyse die Traumnote 9,9. Bei 7 Wertungen. Seine erste Analyse, die mit 36 Wertungen gerade die H√§lfte aller Wertungen auf sich vereinigt, kommt immerhin noch auf die Note 8,6. Im Vergleich zu unseren eigenen Spielebewertungen w√§re das ebenfalls noch ein Spitzenplatz: Hier liegt “1830” mit der Durchschnittsnote von 8,8 auf den vierten Platz.
Leser, Autoren und Verlage, nutzt die Gelegenheit, Euren Daumen zu heben oder zu senken! R√§cht Euch mit schlechten Noten f√ľr schlechte Kritiken! Lieber w√§re es uns allerdings, wenn Ihr Euch noch ein paar Worte einfallen l√§√üt, und gleich einen richtigen Text-Kommentar abgebt. Gelesen wird alles. Nicht nur von uns. Mehr als tausend mal pro Rezension.
1. “Battlestar Galactica”
Ein kooperatives Spiel mit sehr viel Thema. Eine ganze Fernsehserie soll dazu Pate gestanden haben. Zumindest Moritz kannte sie. 12 aufrechte Menschen sind auf der Flucht aus dem Weltraum wieder zur√ľck zur Erde. An allen Ecken und Enden tauchen feindliche Gebilde aus, die vernichtet werden m√ľssen, bevor sie zuviel Schaden an Treibstoff, Nahrung, Moral oder Bev√∂lkerung angerichtet haben. Ihre Vernichtung wird ausgew√ľrfelt, elegant und berechenbar, zumindest nach dem Gesetz der gro√üen Zahlen.
Zus√§tzlich treten regelm√§√üige Krisen auf, die ebenfalls die empfindlichen Ressourcen anfressen. Gemeinsam m√ľssen sie gemeistert werden, wobei “gemeistert” hei√üt: alle Spieler zusammen legen verdeckt farbige Zahlenkarten auf einen Haufen, dann wird der Haufen aufgedeckt, und wenn die Summe der Zahlen gr√∂√üer ist als das Krisenpotential, dann verpufft die Krise ohne negative Effekte.
Leider ist diese Kartensumme nicht ganz so elegant berechenbar wie ein W√ľrfel, denn erstens wei√ü keiner, welche Zahlen die Mitspieler gegen das Krisenmanagement geopfert haben, zweitens kommen von einem verdeckten Stapel auch noch unbekannte Modifizierkarten hinzu, die das Krisenpotential bis zu 50 Prozent auf- oder abwerten. Und drittens k√∂nnen Mitspieler sogar Karten mit Minuswerten zu dem Haufen legen, die bei der Summenbildung dann kontraproduktiv sind.
Warum sollten sie so etwas tun? Weil nicht alle Mitspieler gut sind! Es gibt unerkannt b√∂se Verr√§ter von der Rasse der Cylonen unter ihnen, die das Spiel gewonnen haben, wenn die Menschheit untergegangen ist. Es ist also ein Kampf der Guten gegen die B√∂sen, gegen zuf√§llige Gefahren in zuf√§lligen Gr√∂√üenordnungen mit zuf√§lligen Abwehrmitteln und unbekannten Allianzen. Wer zuf√§llige die richtigen Karte auf der Hand hat, darf auch noch darum w√ľrfeln, ob die unbekannte, zuf√§llig oben liegende Krisenkarte mit der unbekannten, zuf√§llig darunter liegenden Krisenkarte vertauscht werden darf. Sowas geht dann schon in Richtung Metazufall.
Moritz versuchte Stimmung zu erzeugen, indem er seine Mitspieler reihum als Cylon verd√§chtigte. Ist so ein Vorgehen tats√§chlich ein wichtiger Bestandteil des Spielspa√ües in der “Galactica”? Mu√ü man seine Freunde ernsthaft verd√§chtigen, und m√ľssen die sich dann ernsthaft verteidigen? Oder darf man das blindw√ľtig einfach so aus lauter Jux und Tollerei tun, und die Verteidigung oder sogar Selbstanklage ist auch nur ein stimmungsf√∂rdernder Faschingsscherz? Sind hier vielleicht bewu√üt chaotisch gehandhabte, offensichtlich falsche Schlu√üfolgerungen bei den Verdachts√§u√üerungen besonders stimmungsf√∂rdernd? – Eine philosophische Frage. Moritz hatte damit in seinen anderen Spielkreisen angeblich Erfolg. In unserer rationalen Gesellschaft funktionierte diese einfache Lustprinzip nicht so durchschlagend. Eine offensichtlich falsche Verd√§chtigung ist nicht a priori lustig, sondern sie ist ein logischer Fehlschlu√ü und damit ein √Ąrgernis. Im Gegensatz dazu w√§re eine zutreffende logische Schlu√üfolgerung beispielsweise: ein Spieler, der sich in einer einzigen Runde nicht an der gemeinsamen Krisenbew√§ltigung beteiligt hat, in der aber mindestens eine kontraproduktive Karte gespielt wurde, dieser Spieler kann kein Verr√§ter sein, falls es nur einen einzigen Verr√§ter gibt. Logisch, oder?
Walter dachte sehr fr√ľh an die letzte Strophe eines Kirchenliedes von Paul Gerhard: “Mach’ End’, o Herr mach’ Ende ¬Ö” – doch dann dachte er an Fasching, an den Aschermittwoch, an den schlechten Ruf der sauert√∂pfischen Protestanten und an die gute Lust und Laune unseres Lustmolches und machte nur noch gute Miene zum b√∂sen Spiel. So machten es alle anderen auch.
Im Nachspann fand Aaron noch den irgendwie passenden Spruch:
“Mal ist man Denkmal, mal ist man Taube”.
Diesmal f√ľhlte ich mich eher als Denkmal, doch gl√ľcklicherweise hatte die Taube gen√ľgend Terpentin geschluckt.
WPG-Wertung: Aaron: 4 (Advanced “Mau Mau”), G√ľnther: 4 (“nicht mein Fall”), Moritz: 9 (“ihr habt das Teamprinzip nicht verstanden”) , Walter: 4 (vermisst die M√∂glichkeiten “to have a plan”)
Bemerkenswert, da√ü in der Fernsehserie zu “Battlestar Galactica” im Vorspann jedesmal der markante Satz f√§llt: “And they have a plan!”
2. “Flaschenteufel”
Die Frage: “Spielt man oder wird man gespielt” steht immer unausgesprochen im Raum.
Zuerst wurde die Sitzordnung vertauscht, damit sich Moritz nicht mehr √ľber die von Walter geschobenen b√∂sen Karten √§rgern konnte. Daf√ľr √§rgerte er (der M.) dann postwendend und gezielt den G√ľnther mit der gelben Zwei. Tats√§chlich erwarb G√ľnther im letzten Stich mit seiner gelben Zwei auch den Teufelsstich und mu√üte mit Minus-17 Punkte ins Rennen gehen. Wird man beim “Flaschenteufel” also doch gespielt?
Mitnichten. G√ľnther als Startspieler hatte gleich mit seiner ersten ausgespielten Karte den entscheidenden Fehler gemacht: Auf seine gelbe 22 wurde Moritz die blaue Vier und Aaron die gelbe Eins los. Walter mu√üte mit der gelben 18 den Stich √ľbernehmen, doch das waren f√ľr ihn nur gerne gesehene Pluspunkte. H√§tte G√ľnther gleich als erste Karte die gelbe Zwei ausgespielt, dann w√§re ihm todsicher im ersten Spiel der Teufelsstich erspart geblieben.
So diskutierten wir post mortem nach jedem Spiel die spielentscheidenden Fehler. Sie lie√üen sich immer identifizieren. Und alle h√§tten vermieden werden k√∂nnen! Also wird man im “Flaschenteufel” auch nicht gespielt. Q.e.d.


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