von Walter am 6.01.2011 (1.257 mal gelesen, 8 Kommentare)

Wir wĂŒnschen allen unseren Lesern ein gesundes Neues Jahr und weiterhin viel Spaß in ihren Spielrunden.

1. “Das kalte Herz”
Eineinhalb Jahre schon entwickeln Moritz und Maximilian Christof an diesem Spiel ĂŒber die FlĂ¶ĂŸer im Schwarzwald. Neulich konnten sie es bei Hans-im-GlĂŒck prĂ€sentieren und sind guter Hoffnung.Das Kalte Herz - Prototyp
Unsere Bedenken aus frĂŒheren Testsessions sind ausgerĂ€umt. Die BaumstĂ€mme in Neckar und Rhein sind jetzt stĂ€ndig in Bewegung, das bewirkt schon allein ein zusĂ€tzlicher automatischer Bewegungszug pro Spieler. Auch die StaudĂ€mme sind keine nennenswerte Blockade mehr: wenn ein Staudamm voll ist, lĂ€uft er automatisch ĂŒber. Jetzt kann jeder Spieler auch fĂŒr sich selbst etwas Gutes tun und muß nicht nolens volens den Vorteil seiner Mitspieler befördern und hoffen, dass ihm Gleiches zuteil wird.
Wir mĂŒssen immer noch

  • HolzfĂ€ller-Pöppel einsetzen
  • Holzhacken
  • Unsere Pöppel zu den verschiedenen ArbeitsplĂ€tzen bewegen
  • StaudĂ€mme öffnen
  • FlĂ¶ĂŸe zusammenstellen und verkaufen
  • Jeder bekommt zu Spielbeginn noch eine eigene Rolle zugeteilt, die ihm fĂŒr bestimmte Aktionen Bonuspunkte liefert; ein Spieler hat Vorteile bei Hacken, der andere bei der StaudĂ€mmen und der dritte beim Verkauf. Diese individuellen Sondereigenschaften gilt es natĂŒrlich besonders zu nĂŒtzen. „To have a plan” wird ganz groß geschrieben.
    Man sollte nicht unbedingt aus der aktuellen Spielsituation heraus die siegpunkttrĂ€chtigste Aktion wĂ€hlen. Damit verlieren wir Tempo fĂŒr spĂ€tere noch siegpunkttrĂ€chtigere Aktionen. Das ganze ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, und fĂŒr den richtigen Peil braucht man natĂŒrlich eine Menge Erfahrung. Wie bei „1830“!
    Die Vision einer Spielumsetzung von Hauffs MĂ€rchen in hĂŒbsche, flĂŒssige und ganz neuartige SpielzĂŒge und Mechanismen hat schon einen hohen Reifegrad erreicht. Horst schlug vor, dem Spiel eine Begleit-CD beizulegen, auf den stĂ€ndiges Wasserrauschen zu hören ist.
    Noch keine WPG-Wertung. Aber sicherlich bald.

    2. “Manipur”
    Aaron arbeitet auch schon seit einem Jahr an seinem Spiel, das ursprĂŒnglich im „18xx“-Milieu angesiedelt war, ĂŒber den Weltraum jetzt Manipur - Prototypaber in „Manipur“, einer Provinz in Indien, angelangt ist. Aus den frĂŒheren Tycoons sind heute einfache HĂ€ndler geworden, die ihrer Waren in immer entfernere StĂ€dte liefern und dafĂŒr immer höhere Erlöse erzielen.
    Die HĂ€ndler mĂŒssen systemmatisch ihren Aktionsradius erweiteren, die Zahl ihrer Mitarbeiter erhöhen und deren „Schlagfertigkeit“ fördern. Wer die stĂ€rksten FĂ€uste hat, kann die Konkurrenz von den lukrativsten MarkplĂ€tzen vertreiben.
    Heute wurde das Spiel erstmals einer 4er Runde vorgelegt. Erwartet oder unerwartet ergab sich sogleich ein von den bisherigen Solo- oder Duo-Testrunden total verschiedener Spielablauf. Moritz entwickelte als einziger zuerst seine MobilitĂ€t und konnte damit ferne MarktplĂ€tze bedienen, wo er konkurrenzlos war, hohe ErtrĂ€ge kassierte und noch dazu Monopolprivilegien erwarb. Die anderen Spieler hatten sich zwar mit stĂ€rkeren FĂ€usten eingedeckt, doch Moritz war schon außer Reichweite. Es war nur eine Frage der Zeit, bis er mit hohem Abstand gewonnen hatte. „Das war mein Plan!“
    Die ganze Diskussion wĂ€hrend und nach dem Spiel drehte sich schwerpunktmĂ€ĂŸig darum, wie man Moritz am Zeug flicken könnte. Drei Alternativen boten sich an:
    a) die in fernen StĂ€dten agierenden HĂ€nder mĂŒĂŸten leichter angreifbar sein.
    b) die Handelsprivilegien dĂŒrften nur fĂŒr Mehrheiten, nicht aber fĂŒr Monopole vergeben werden.
    c) die ErtrĂ€ge fĂŒr ferne HĂ€nder ohne Heimatanschluß mĂŒĂŸten gesenkt werden.
    Alles kann durch kleine RegelĂ€nderungen problemlos bewerkstelligt werden. Aaron wird’s schon richten.
    Ansonsten sind die Spielregeln klar, der Spielablauf ĂŒbersichtlich, die Mechanismen rund und das Spielgeschehen attraktiv. Durch die Konzentration auf die funktionierenden Mechanismen ist das Thema allerdings etwas abstrakt geblieben. Beim Brainstorming ĂŒber andere passende Szenerien schlug Horst vor: „Ameisen, die ein Tischbein erklimmen.“
    Noch keine WPG-Wertung.
    3. “Trawler”
    Aaron bastelt schon an seinem nĂ€chsten Spiel. Wir sind Fischer und ziehen mit unserer Flotte den verschiedenen Fischen hinterher. Die optimale Erweiterung der Flotte erinnert an „Manipur“, doch das Auftreten der FischschwĂ€rme und die Konkurrenz auf den Verkaufszentren am Hafen sind neue Elemente.
    Diesmal war bei Aaron zuerst das Thema da und dann erst der Mechanismus. Wir werden sehen.
    Noch keine WPG-Wertung.
    4. “Bluff”
    Horst brachte eine neue Dynamik in ein altes Spiel: Bluffen mit Sternen auf höchstem Niveau. Walter war das nicht geheuer und er forderte fĂŒr den zweiten Durchgang einen Platzwechsel. Inzwischen hatte Moritz die Masche durchschaut und konnte die Dynamik entschĂ€rfen.
    Keine neue WPG-Wertung fĂŒr ein Super-Spiel.


    Bluff kaufen:
    Spiele-Offensive.de - Deutschlands groesstes Sortiment aus Gesellschaftsspielen
    Manipur kaufen:
    Spiele-Offensive.de - Deutschlands groesstes Sortiment aus Gesellschaftsspielen

    8 Reaktionen zu “05.01.2011: Mit Selbstgemachtem ins Neue Jahr”

    1. Moritz

      Wichtige Anmerkung: Das Spiel “Das Kalte Herz” ist von CHRISTOF TISCH und mir…..

    2. peer

      Sehr interessanter Artikel! Ist schon was ĂŒber „Das 20. Jahrhundert“ bekannt? (Ich nehme nicht an, das Vladimir Suchy der KĂŒnstlername von Moritz ist ;-)
      Falls tatsĂ€chlich noch ein anderes Thema fĂŒr Manipur gesucht wird: Wie wĂ€rs mit dem „Tea-Horse-Trek“? Siehe z.B. http://www.chinatrekking.com/routes/tea-horse-caravan-road/history-of-the-tea-horse-caravan-road
      Ist nicht so abgelutscht, aber man findet sich sofort zurecht und auch das mit den Entfernungen wĂŒrde passen.
      Kurzzusammengefasst: Das war eine wichtige chinesische Handelsroute bei der vor allem Tee gegen Pferde getauscht wurde.
      Ciao
      peer

    3. Walter

      Lieber Peer,
      genaueres ĂŒber den Verbleib des 20. Jahrhunderts können Dir nur Historiker und Betroffene sagen. Als relativ Außenstehender weiß ich nur so viel, dass materielle und ideele Strudel des plazentierenden Verlages die Tragzeit ĂŒber Erwarten hinausgezögert haben, und dass vielleicht lediglich aus der Nachgeburt ein paar Stammzellen zu experimentellen Forschungszwecken gewonnen werden können.
      Salud Walter

    4. Aaron

      Hallo Peer,
      vielen Dank fĂŒr den alternativen Themenvorschlag zu Manipur. Das klingt gar nicht schlecht und ich muss mir das mal genauer anschauen, sobald die Spielmechanismen alle funktionieren.
      Gruß, Aaron

    5. Micha

      “Das kalte Herz” erinnert mich zumindest von der Beschreibung her sehr an Eggerts “Die FlĂ¶ĂŸer am Katarakt”. Vielleicht mal gegenchecken…

      Gruß
      Micha

    6. peer

      Micha meint “Die FlĂ¶ĂŸerei” – “Die FlĂ¶ĂŸer am Katarakt” ist ein komplett anderes Spiel…
      Allerdigs glaube ich nicht, dass eine Ähnlichkeit besteht, die ĂŒber die themenĂŒblichen Dinge hinausgeht (und wie ich schon immer beobachtet habe: Ein seltenes Thema wird öfter mit einem anderen Spiel desselben Themas verglichen, als ein Spiel mit hĂ€ufigem Thema)

    7. Christof

      Beim »Kalten Herz« geht es natĂŒrlich vorrangig um FlĂ¶ĂŸerei, das ist natĂŒrlich ein Zusammenhang. Eggerts FlĂ¶ĂŸerei kenne ich dem Namen nach und ich habe vor Jahren sein Spiel in Essen gesehen (das war ca. 2 Jahre bevor er mit »Antike« einem grĂ¶ĂŸeren Publikum bekannt wurde). Gespielt habe ich es leider noch nicht, aber der erste Unterschied ist schonmal dass es auf einer Landkarte mit ganz anderem Maßstab spielt. Soweit ich mich erinnern kann ging das von der Nordsee bis runter nach Mainz (oder noch weiter in den SĂŒden), die Ost-West-Ausdehnung weiß ich nicht mehr. Es ging um Versorgung der StĂ€dte, ich glaube, Ausbau der StĂ€dte, Logistische ZwĂ€nge und anderes. Das ist bei unserem Spiel eigentlich nicht der Fall. Ich denke Eggerts FlĂ¶ĂŸerei ist eher eine Art Eisenbahnspiel auf FlĂŒssen, was der RealitĂ€t wahrscheinlich einigermaßen nahe kĂ€me, habe ich doch in einem Buch gelesen, dass die FlĂŒsse in der Vor-Eisenbahnzeit, Ă€hnliche Bedeutung wie die Eisenbahnlinien spĂ€ter hatten.

    8. Micha

      Ich kenne keines der beiden Spiele vom Selberspielen – wollte daher nur kurz den Hinweis geben, nicht dass hier etwas entwickelt wird, und danach schreit irgend jemand “Plagiat” ;-)