von Walter am 8.04.2010 (2.115 mal gelesen, 2 Kommentare)

F├╝r Bayern-M├╝nchener ist es ja eine Schande, sich am Mittwoch Abend mit braven Brettspielchen abzugeben, w├Ąhrend der stadtbewegende FCB ums ├ťberleben bei Manchester United antritt. Mindestens drei Spieler der Westparker wurden nicht einmal rot dabei. Nur ein Vierter, emotional und mit seinem ÔÇ×BallackÔÇť auch musikalisch mit dem FCB verbunden, sagte seine Teilnahme am Westpark definitiv deshalb ab, weil er einen Fu├čballabend am Fernseher vorzog. Der Abend fing also schon mal mit einem 3:1 gegen die Fu├čballer an.
1. “Giganten der L├╝fte”
Letzte Woche als Absacker abgelehnt, blieb G├╝nther hartn├Ąckig und setzte das Spielchen heute zum Aufw├Ąrmen vor. Er ging aber gleich in die Defensive: ÔÇ×Nur wenn Ihr das jetzt unbedingt wollt!ÔÇť Wir wollten es, a) kennenlernen und b) Wilhelm auch noch ein bi├čchen dabei ├Ąrgern. G├╝nther machte sich befriedigt ans Erkl├Ąren, und er war noch nicht halb fertig, da lag der FCB schon mit 2:0 Toren zur├╝ck und war aus der Champignos Lieck ausgeschieden.
Wir w├╝rfeln mit einer steigenden Anzahl von W├╝rfeln in den Farben wei├č, rot und schwarz. Wenn wir gut w├╝rfeln, kriegen wir ÔÇ×AufbaukartenÔÇť, mit denen wir die Anzahl nutzbarer W├╝rfel erh├Âhen und unsere geworfenen W├╝rfelzahlen modifizieren d├╝rfen. Dieses W├╝rfelverbesserungsprinzip ist von ÔÇ×Um Krone und KragenÔÇť bereits bestens bekannt und nur bedingt beliebt.
Doch “Giganten der L├╝fte” hat dagegen noch ein paar spieltechnische Verbesserungen aufzuweisen. Man w├╝rfelt nicht bis zur bitteren Neige und sucht sich dann f├╝r sein W├╝rfelergebnis die beste Aufbaukarte auf, sondern man mu├č vorher bekanntgeben, um welche Karte man w├╝rfeln will, und mu├č dann die genau f├╝r diese Karte geforderten Mindestaugenzahl erw├╝rfeln.
Gute und zweifellos weniger gute Karten stehen zur Auswahl und es gilt, den individuellen Vorteil einer Karte abzuw├Ągen gegen die Wahrscheinlichkeit, mit dem aktuell vorhandenen W├╝rfelmaterial diese Karte auch erw├╝rfeln zu k├Ânnen.
Klappt es nicht, bekommt man als Trostpreis wenigstens einen Bonus-Chip, mit dem man bei seinem n├Ąchsten Versuch zu seinem W├╝rfelergebnis einen Punkt hinzuaddieren kann. Doch der Trostpreis ist kein voller Ersatz f├╝r W├╝rfelgl├╝ck, f├╝r neue Aufbaukarten, erweiterte W├╝rfelausstattung und die n├Ąchste h├Âhere W├╝rfelausbeute.
Aarons sprichw├Ârtliches W├╝rfelpeck schlug wieder voll zu. Ein bi├čchen trug allerdings auch seine Farbenblindheit dazu bei. (Wessen?) Jedenfalls verlegte er sich sehr bald auf die Bonus-Chips-Strategie, und konnte einen Trostpreis nach dem anderen einkassieren.
G├╝nther hatte mit seiner gigantischen Erfahrung nat├╝rlich sofort erkannt, welche Aufbaukarten die gr├Â├čten Zukunftsaussichten boten. Mit K├Ânnen, Gl├╝ck und Zufall konnte er gleich in den ersten Runden die Karten f├╝r einen roten Zusatzw├╝rfel und f├╝r einen roten Plus-Modifier zulegen. Das war sein unangefochtener Sieg. Der FCB lag inzwischen mit 3:1 Toren zur├╝ck und war immer noch ausgeschieden.
WPG-Wertung: Aaron:4 (Punktzahl von ÔÇ×Um Krone und KragenÔÇť minus 3, mindestens jedoch 4 Punkte), G├╝nther: 6 (lockeres Familienspiel), Walter: 5 (Punktzahl von ÔÇ×Um Krone und KragenÔÇť plus-minus 0).
Warum hei├čt das Spiel eigentlich ÔÇ×Giganten der L├╝fteÔÇť? Weil auf dem Spielbrett ein dicker Zeppelin aufgedruckt ist! Und warum ist auf dem Spielbrett ein dicker Zeppelin aufgedruck? Ist doch klar: Weil das Spiel ÔÇ×Giganten der L├╝fteÔÇť hei├čt!
2. “Hansa Teutonica”
Walter hatte per Emails nochmals eine Attacke auf die Determiniertheit von “Hansa Teutonica” geritten. Behauptung: Der Startspieler mu├č in seinen ersten beiden Z├╝gen seinen Aktionsspielraum erweitern und hat damit unweigerlich gewonnen. G├╝nther argumentierte dagegen, da├č a) der Startspieler als Startaufstellung weniger Spielsteine bekommt und da├č b) die Mitspieler den Ausbau der Aktionsstrecke G├Âttingen-Quedlingburg blockieren k├Ânnen. Doch schon der Evangelist wu├čte: ÔÇ×Gl├╝cklich zu preisen sind die, die nicht sehen und doch glauben.ÔÇť Walter war nicht zu preisen, heute sollte er sehen lernen. Nat├╝rlich als Startspieler.
Sein erster Zug war unwidersprochen determiniert: Eine Scheibe und einen W├╝rfel auf die Strecke G├Âttingen-Quedlinburg. Aarons erster Zug war G├╝nther minded: Eine Blockade-Scheibe in Richtung Quedlinburg und einen W├╝rfel auf die L├╝becker S├Ąckchenstrecke. G├╝nther wollte zuerst die gesamte L├╝becker Reststrecke blockieren, doch dann fand er einen noch besseren Zug gegen Walters Aufm├╝pfigkeit: Nur einen W├╝rfel in Richtung L├╝beck, mit der Scheibe verdr├Ąngte er Walters hoffenden Aktionsw├╝rfel.
Es folgten weitere Blockierungsz├╝ge von allen Spielern, die absolut unerwartete und chaotische (positiv!) Spielst├Ąnde produzierten. Walters Aktionshypothese war gl├Ąnzend widerlegt. Jeder war zu jeder Zeit bei jedem Zug absolut Schmied seines eigenen Gl├╝ckes. Am Ende hatte keiner mehr als 3 Aktionen entwickelt und die beste Nutzung der Streckentopologie des Spielbrettes brachte den Sieg. Na wem schon. Dem, der das Spiel am besten kannte und beherrschte: G├╝nther.
Zu einem Zeitpunkt, als der FCB gerade sein zweites Tor geschossen hatte und Gary LinekerÔÇÖs ber├╝hmter Fu├čballspruch ├╝ber die Deutschen sich diesmal auch f├╝r die Bayern bewahrheitete.
Ein Superspiel. Hallo Argentum-Verlag: Ich krieche zu Kreuze!
Keine neue WPG-Wertung.
FCB vs. ManU
3. “Stone Age”
Nur zwei Jahre alt, und doch schon in die Jahre gekommen. In einer Dreierrunde sind die Setzm├Âglichkeiten eingeschr├Ąnkt. Beim Baumaterial d├╝rfen sich nur jeweils 2 Spieler engagieren. Das kann f├╝r den dritten Spieler durchaus peinlich werden. Wurde es auch. Doch das nur nebenbei.
Walter entschied sich f├╝r die Holz-Schiene. Nach M├Âglichkeit schickte er jeden seiner P├Âppel zum Holzhacken, um sich als Holz-Kr├Âsus alle Zivilisationskarten unter den Nagel rei├čen zu k├Ânnen. Die Idee war nicht schlecht, die Ausf├╝hrung problemlos, nur der Erfolg blieb aus.
G├╝nther hatte von vorneherein auf die kumulativen Effekte der Stein├Ąxte gesetzt. Mit Priorit├Ąt entwickelte er seine Schlagkraft, entweder im Dorf oder per Zivilisationskarten. Am Ende besa├č er 10 Steinaxt-Punkte, mit denen er jeden Mitspieler in Grund und Boden w├╝rfeln konnte. Und in der Schlu├čwertung brachte ihm das nochmals 70 (!) Siegpunkte ein!
Vielleicht war auch das Gl├╝ck ein bi├čchen auf seiner Seite, vielleicht haben die Mitspieler hier geschlafen. Auf jeden Fall sollte die Steinaxt-Strategie und die Steinaxt-Gegenstrategie in Zukunft immer im Auge behalten werden.
WPG-Wertung: Aaron reduzierte seine 8 Punkte aus dem Jahre 2008 auf gn├Ądige 6 Punkte. ÔÇ×Die individuelle Abrechnung nach dem Setzen ist zu langatmig. Es fehlt an TempoÔÇť. Die beiden Mitspieler waren baff. G├╝nther fand die anderthalb Spielstunden f├╝r ein abendf├╝llendes Spiel relativ schnell. F├╝r Walter sind allein die Freiheitsgrade innerhalb der Zugm├Âglichkeiten schon 9 Punkte wert, doch er wollte Aarons Gnadenhaltung nicht weiter strapazieren.