von Walter am 23.02.2012 (1.372 mal gelesen, keine Kommentare)

Wenn die rheinischen Jecken ihre Kamellen verteilt und die Berliner ihren Wulff vergauckelt haben, trifft sich die bayerische Politprominenz in parteigebundenen Bierzelten, um den jeweiligen Gegner in die Pfanne zu hauen. Verbales Fingerhackeln um die griffigsten Spr├╝che. In den lokalen Zeitungen, ja sogar im Internetangebot der ├╝berregionalen Fernsehanstalten kann man sie nachlesen. Gerne h├Ątte ich heute hier ein paar Kostproben dieses unseres Esprits an unsere au├čerbayerische Klientel weitergegeben. Doch sie waren samt und sonders flach, schal, hemds├Ąrmelig und einfallsdumm. Im Original genauso wie im Plagiat. Als einziges aufmunterndes S├Ątzlein m├Âchte ich in die Regionen jenseits der Mainlinie hin├╝berreichen: ÔÇ×Der FC Bayern hat das Champions-League-Hinspiel in Basel verloren.ÔÇť

1. “Yunnan”
Moritz mu├čte sich seinem Besuch aus Australien widmen (vielleicht vor dem Fernsehapparat, um den vorgef├╝hrten FCB vorzuf├╝hren), G├╝nther geht fremd, um f├╝r die Deutsche Brettspielmeisterschaft zu ├╝ben, P&L singen noch ihr Hosianna im Gelobten Land und Horst ist bei Sex, wo immer sich dazu Gelegenheit findet. So setzten sich Aaron und Walter in einer Minimalbesetzung t├¬te-├á-t├¬te zusammen, um Aaron ├Ąlteste Eigenentwicklung wieder einmal auf den Pr├╝fstand zu bringen.

Seit fast zwei Jahren ist ÔÇ×YunnanÔÇť als Kampf- und Aufbauspiel in der Mache. Das f├╝hrt mal wieder deutlich vor Augen, dass ein (gutes) Spiel nicht einfach in ein paar kurzen Augenblicken gl├╝cklicher Inspiration geboren wird, sondern dass viele Wochen hei├čer Schwei├č von der Stirne rinnen mu├č, bis das Werk den Meister loben kann.

In ÔÇ×YunnanÔÇť spielt jeder Spieler eine H├Ąndlerdynastie weit hinter der T├╝rkei zwischen Teeroute und Seidenstra├če. Die Spieler m├╝ssen ihr finanzielles Potential in einem Versteigerungsprozess einsetzen

  • um ihr H├Ąndlernetz personell zu erweitern
  • um ihre H├Ąndler handfester zu machen als die der Gegenspieler
  • um ihren Aktionsradius zu erweitern
  • um die Transportwege f├╝r kosteng├╝nstigere Ausbreitung auszubauen
  • um Lagerh├Ąuser f├╝r einen effizienteren Vertrieb zu errichten

Pro Runde liefert das jeweilige H├Ąndernetz mit seinen Eigenschaften an Masse und Struktur einen Gewinn ab, den jeder Spieler beliebig in neues Investitionskapital oder in Siegpunkte verwandeln kann. Viele Wege f├╝hren nach Rom (zum Sieg). Allgegenw├Ąrtige Frage am Westpark: Sind die verschiedenen Optionen gut ausbalanciert?

Sehr schnell erkannten wir, dass die engen H├Ąndlerlimits in den verschiedenen Regionen bei den aktuellen Blockierungslimits eine schnellere Entwicklung behinderten. Auch die Startausstattung der Spieler sollte etwas ├╝ppiger ausfallen. Zweimal brachen wir nach jeweils einer knappen Stunde ab, um mit den entsprechenden Regelmodifikationen neu anzufangen. Dann kam alles gew├╝nscht flott aus den Startl├Âchern. Allerdings hatte sich nach der H├Ąlfte der Spielzeit ein Spieler deutlich an die Spitze gesetzt, von der er rein theoretisch nicht mehr zu verdr├Ąngen gewesen w├Ąre. Die dazu von ihm durchgef├╝hrten ÔÇô zweifellos guten ÔÇô Entwicklungsz├╝ge m├╝ssen in ihrer Kosten-Nutzen-Relation noch etwas gebremst werden, damit das Gleichgewicht l├Ąnger auf der Kippe steht. M├Âglichkeiten dazu fanden wir genug, Aaron wird sie noch verinnerlichen. Dann kann ÔÇ×YunnanÔÇť einer n├Ąchsten Testsession am Westpark unterzogen werden. Mit freudiger Erwartung.

Keine WPG-Wertung f├╝r ein Spiel in der Entstehungsphase.

1. ÔÇťBluffÔÇŁ
Zum Absacken erg├Ąnzte die beste aller ungarischen Ehefrauen die beiden alten Hasen zu einem Bluff-f├Ąhigen Trio. In der ersten Runde katapultierte sie sich mit der l├Ąngst stumpf gewordenen Horstschen Sternenstrategie blitzschnell aus dem Kreis der aktiven Spieler. Walter stand mit einem einzigen W├╝rfel im Endkampf gegen die f├╝nf W├╝rfel von Aaron. Da hilft nur, den Stier bei den H├Ârnern zu packen. Also gar nicht erst unter den eigenen Becher schauen, sondern gleich mit 3 mal die F├╝nf den ├╝berm├Ąchtigen Gegner unter Druck setzen. Aaron legte zwei F├╝nfen heraus, erh├Âhte auf 4 die F├╝nf und w├╝rfelte mit drei W├╝rfeln nach. Walter fand jetzt erst die lumpige Vier unter seinem Becher und zweifelte erwartungsvoll an. Aber Aaron hatte Stern und F├╝nf nachgew├╝rfelt und durfte triumphieren.

Da kommentierte das kluge Weib sehr treffend: ÔÇ×Das hat auch mit Gl├╝ck zu tun.ÔÇť Ein Satz, der sich heute noch ├Âfters bewahrheiten sollte.

Keine neue WPG-Wertung f├╝r ein Super-Spiel.