von Walter am 18.02.2010 (1.500 mal gelesen, 3 Kommentare)

Aus Moritz seinem Reisekalender: Köln, 13.02. Proben AmadĂ©, AmadĂ©; Tilburg (Holland), 14.02. Dromomania Performance; Köln, 15.-16.02. Aufnahmen AmadĂ©, AmadĂ©; Koblenz, 17.02. Besuch der Bordellballade-Proben 

Eigentlich wollte er heute rechtzeitig zurĂŒck sein, um pĂŒnktlich um 19 Uhr bei den Westpark-Gamers anzutreten. Doch dann kam doch noch eine Absagemail: „Leider hat sich bei mir die Terminplanung in Koblenz verĂ€ndert“. Vermutlich saß er heute in irgendeinem Hotelzimmer und schaute sich bei SAT1 das Fußballspiel FC Bayern – AC Florenz an. Vielleicht sogar zuhause bei A&M.
Die anderen Zuagroasten kamen pĂŒnktlich zum Westpark. Sie zogen ein Life-Spiel mit Pöppeln und WĂŒrfeln vor. Nur Sven kam spĂ€ter als sonst. Er stand im „Stau ohne Ende“ all derjenigen Fußballfans, die vom Brunntalkreuz aus in Richtung Allianz-Arena unterwegs waren. (SpĂ€ter konnten die Fans immerhin noch 3 Tore sehen. Sogar zwei Drittel davon auf „unserer“ Seite!)
1. “Egizia”
Wir optimieren unsere Schiffsladungen auf der Fahrt den Nil hinab.
Wie schon mehrfach geschildert sind die Bausteine in der ersten Runde die wichtigste Ressource, die wir uns zulegen mĂŒssen. Und hier hat der Startspieler einen entscheidenden Vorteil. Sicherlich einen grĂ¶ĂŸeren Vorteil, als er an Bausteinen-Grundausstattung zur Startaufstellung benachteiligt wird. Ist HiG dieses kritische Ungleichgewicht in seinen umfangreichen Testrunden etwa entgangen?
Doch das Spiel funktioniert sehr gut. FlĂŒssig wickeln die Spieler ihre Aktionen ab, schauen, welche Vorteile sie fĂŒr sich selber an Land ziehen können und wie sie ihre Mitspieler in Hungersnöte treiben können. Entscheidend ist es, in den ersten beiden Runden taktisch hinten zu bleiben und sich damit das Startspielerrecht auf die erste Wahl der Nilstationen zu sichern.
Die Interaktionen sind gewaltig, allerdings sind sie nur jeweils innerhalb einer Runde ĂŒberschaubar. Die VerĂ€nderungen der Nilstationen von Runde zu Runde stellen hingegen solche massiven BrĂŒche innerhalb der Spielsituationen dar, daß eine ĂŒbergreifende Planung nicht möglich erscheint. Man kann im Grunde immer nur einen Zug vorausdenken. Oder einen Zug hinterherjammern.
Kurzzeitig kam ein Vergleich mit den Interaktionen bei „1830“ auf. Doch dort baut alles sehr langfristig auf; schon ĂŒber viele Runden hinweg kann man Angriffe auf die gegnerischen Positionen planen. Oder sich dagegen zu schĂŒtzen suchen. In „Egizia“ ist das doch eher nur kurzfristig bis chaotisch möglich. Aber auf jeden Fall spielerisch elegant.
Sven blieb mit seinen 5 Punkten deutlich unter dem WPG-Durchschnitt von 8.4. Ihm fehlte die langfristige planerische Herausforderung.
2. “Der Dieb von Badgad”
Als nĂ€chstes standen „Giganten“, ab 10 Jahre, und der „Dieb“ ab 8 Jahre zur Auswahl. Aarons Vorschlag: „Da machen wir doch lieber das fĂŒr Kinder“ wurde ohne Gegenstimme angenommen. Doch schon wĂ€hrend GĂŒnthers EinfĂŒhrung in die Spielregeln sank die Euphorie ob des lĂ€ppischen Kartenspiel-Charakters rapide ab. Unverkennbar wird uns hier lediglich ein „Advanced Mau-Mau“ angeboten, auch wenn das Spiel es im Jahre 2007 bis auf die Auswalliste zum SdJ geschafft hat.
Wir ziehen laufend Karten vom verdeckten Stapel, die es uns gestatten, unseren eigenen WÀchter, neutrale WÀchter oder unsere Diebe in die verschiedenen PalÀste des Spielfeldes zu bewegen. Eine blaue Karte erlaubt den Eintritt in den blauen Palast. Zu welchem Palast wird uns wohl eine rote Karte den Eintritt verschaffen?
Wer zuerst eine festgelegte Anzahl von Dieben in einen Palast einschleusen konnte, darf sich daraus eine Schatzruhe nehmen. Wer als Erster vier Schatztruhen in Besitz nehmen konnte, hat gewonnen.
Beim Placieren der eigenen und der neutralen WÀchter in den verschiedenen PalÀsten gibt es ein paar Feinheiten zu beachten, um das Eindringen der gegnerischen Diebe zu erschweren. Doch der ganze Witz des Spiels besteht im Grunde nur darin, die richtigen Farbkarten zu ziehen.
Bevor man sich mit seinen Dieben fĂŒr einen Palast entscheidet, sollte man genĂŒgend Karten der benötigten Farbe gezogen haben. Unbestreibar ist es am besten und sichersten, seine Diebe und WĂ€chter zunĂ€chst mal absolut stehen zu lassen und ausschließlich Karten in der Hand zu sammeln. Hier mĂŒĂŸte nach dem Regelheft unbedingt ein Handlimit vorgegeben sein. Ist aber nicht. Wenn aber alle Spieler in diesem Sinne richtig spielen, ist der Kartenstapel schnell aufgebraucht. Das fĂŒhrt einen Dead-Lock und damit auch einen Sudden-Death herbei. FĂŒr alle. Doch 8 JĂ€hrige sind noch keine so scharfen Logiker. Sie fangen halt schon mal an, ihre Diebe in irgendwelchen PalĂ€sten zu plazieren, wenn sie nur wenige passende Karten in der Hand halten. Wenn sie dann hinterher keine weiteren Farbkarten mehr nachziehen, haben sie halt Pech gehabt. Wie bei Mau-Mau. Basisversion!
Sven war mit seinem Hochleistungslogikmotor mal wieder total unterfordert. „Selbst ein Erfolgserlebnis ist noch öde“. FĂŒr einen professionellen Strategen sicherlich. FĂŒr Ab-8-JĂ€hrige weniger.
WPG-Wertung: Aaron: 5 (zuerst 4; wĂŒrde es aber dann doch nochmals spielen), GĂŒnther: 5 (immerhin etwas Spielerisches), Sven: 2 (keine intellektuelle Herausforderung), Walter: 4 (statt nochmals zu spielen wĂŒrde ich lieber den FC Bayern anschauen).
3. “Flaschenteufel”
Wie so oft bei einem ehrgeizigen Neuling gab es heftige Diskussionen, ob Flaschenteufel ein reines bzw ĂŒberwiegendes GlĂŒckspiel oder ein Spiel mit echten Kartenspieler-Herausforderungen ist. Die Tatsache, daß jeder Neuling jedesmal eine lange Durststrecke durchlaufen muß, bis er die ersten Siege einfahren kann, spricht doch eindeutig gegen den GlĂŒcksspiel-Charakter.
Je mehr Ehrgeiz, desto lÀnger wird dieses simple, schon statistisch gesicherte Faktum bestritten.
Keine neue WPG-Wertung. Svens Note wurde vergessen abzufragen. Besser so.
4. “Bluff”
Was bedeutet die Formel:
S=6 x 4 ^ G=7 x 4 ^ A=4 x * ^ W=8 x 4 = minus 5
Zumindest kann man daraus ersehen, daß Aaron und GĂŒnther die PlĂ€tze getauscht hatten.
Keine neue WPG-Wertung fĂŒr ein Super-Spiel.


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3 Reaktionen zu “17.02.2010: Vor Bagdad nach Kairo”

  1. sven

    hallo,

    zum flaschenteufel: eine bessere version als maumau, aber prinzipiell nicht ganz meine welt.

    um mal die wpg zu aktualisieren: ich geb dem spiel doch 5 punkte. man kann es mal zocken, aber ich kann es nicht bestÀndig.

    zudem mal wieder richtig gut zusammengeschrieben. macht immer wieder spaß zu lesen.

    danke dafĂŒr.

    servus

  2. GĂŒnther

    Unser Walter neigt wie immer zu leichten(?) Übertreibungen(aber deshalb sind seine Berichte ja auch so voller “WĂŒrze”).
    Egizia:
    Egizia spielt sich in nur 5 Runden – jede Runde besteht aus mehreren ZĂŒgen.
    Die eigenen Ziele fĂŒr eine komplette Runde sollte man schon gut planen, sonst wird man gespielt.
    Über mehrere Runden hinweg sollte man seine Siegpunktkarten in die eigene Strategie einfließen lassen – sie bringen 30-50% der endgĂŒltigen Siegpunkte! Außerdem muß man sich natĂŒrlich auch ein Konzept fĂŒr die langfristige ErnĂ€hrung ĂŒberlegen … usw.
    Ich wĂŒrde Egizia also eher als Spiel der “mittelfristigen Planungen” charakterisieren.
    18xx:
    NatĂŒrlich versucht man bei 18xx seine Aktionen langfristig zu planen (spĂ€testens in der Phase des Auftauchens der ersten sicheren ZĂŒge geht es dann aber auch hĂ€ufig sehr kurzfristig und manchmal auch zufĂ€llig zu).
    Das Mitspielerchaos kann dort aber auch grĂ¶ĂŸer als bei vielen anderen Spielen sein: Wie hĂ€ufig habe ich bei 18xx schon erlebt, dass sich ein glĂŒckloser(?) Spieler mit hohem Risiko ganz bewusst eine halb bankrotte Gesellschaft angelt und hofft, dass ihn seine Mitspieler nicht bankrott gehen lassen!
    Geht er nicht bankrott (20% Wahrscheinlichkeit), so wird er vermutlich haushoch gewinnen – geht er in die Insolvenz, so ist das Spiel sofort zu Ende und der Sieger ein Zufallsprodukt!!(Wer am langfristigsten geplant hat, steht am schlechtesten da).
    Folgerung: Viele 18xx Gruppen haben daher hĂ€ufig ein gemeinsames VerstĂ€ndnis, welches Spielverhalten “nicht zulĂ€ssig” ist, obwohl es die Spielregeln zulassen! (Z.B. sind auch Absprachen generell offen und bindend, etc …)

    Gruß, GĂŒnther

    p.s.: Eine einzelne Runde des Spitzenspieles Bluff ist auch nur von extrem kurzfristigen Planungen geprĂ€gt – ist es deswegen gut oder schlecht?
    Weder – noch ! Die Langfristigkeit von Planungsmöglichkeiten ist nur eine von vielen Charakteristiken eines Spieles und hat alleine nichts mit Spielspaß oder GĂŒte eines Spieles zu tun !

  3. Walter

    Hallo GĂŒnther,
    als HiG-minded Spieler mußtest Du natĂŒrlich fĂŒr „Egizia“ noch eine Lanze brechen 

    Daß Planbarkeit nur eine von vielen hĂŒbschen Eigenschaften eines Spieles ist, und daß es viele andere Eigenschaften gibt, die ein Spiel zu einem Superspiel machen können, habe ich ja wohl nie bestritten. FĂŒr mich ist es allerdings wichtig, daß die verschiedenen Charakteristika eines Spieles stimmig sind. Dauer eines Spiels, intellektuelle Anforderungen und GlĂŒckselemente mĂŒssen zueinander passen.
    Bei „Egizia“ hatte ich bisher den Eindruck, daß seine Herausforderung deutlich in der planerischen Richtung liegt. Diese EinschĂ€tzung habe ich in der letzten Zeit etwas revidieren mĂŒssen. Viele gute ZĂŒge sind mehr oder weniger zwangslĂ€ufig. Bausteine nimmt man sich in der ersten Runde immer, wenn man sie bekommt, genauso wie man in den spĂ€teren Runden immer grĂŒne ErnĂ€hrung nimmt, falls sie angeboten ist. Und viele essentielle Details des Spielablauf unterliegen zufĂ€lligen Gegebenheiten des Regelwerks.
    Das wichtigste taktische Element in „Egizia“ ist der Lavieren um die Startspielerposition. Um diese Position zu bekommen oder zu behalten, sollte man in den ersten Runde unbedingt auf Bausteine kostende ZĂŒge verzichten. Wer (per Initial-Zufall) Startspieler geworden ist, und diese Position bis in Runde 3 behalten kann, hat den Sieg schon so gut wie in der Tasche. – Unter der Voraussetzung, daß ihm im Rahmen von statistischen Schwankungen pro Runde jedesmal weitere lukrative Bausteine an akzeptablen Stellen angeboten werden! Ob das aber geschieht, ist reiner Zufall.
    Die MĂ€chtigkeit dieses GlĂŒckseinflusses in „Egizia“ ist mir bei jedem Spiel immer deutlicher bewußt geworden. Ohne daß das Spiel dabei etwas von seinen spielerischen QualitĂ€ten verloren hĂ€tte. Nur etwas von seiner Planbarkeit. Wenn ich ihm frĂŒher den GlĂŒcksfaktor 0,2 zugebilligt hĂ€tte, so ist es inzwischen beim GlĂŒcksfaktor 0,5 angelangt. Mit anderen Worten: Von einer Lage deutlich innerhalb der Schach-Seite ist es schon bis zur Mitte auf die Roulette-Seite gewandert.