von Walter am 25.06.2009 (1.434 mal gelesen, 7 Kommentare)

Heute war Walters Hochzeitstag. Er hatte dieses JubilÀum bereits gestern in den Tag hineingefeiert und heute mit einem feierlichen Champagner-Abendessen abgeschlossen. Die Tischdecke bekam auch ein GlÀschen ab. Die Westpark Gamers konnten ohne eheliche Gewissensbisse empfangen werden.
Aaron brachte auch einen Schaumwein mit. Damit durften wir seinen letzte Woche erfolgreich unterschriebenen Vorruhestands-Vertrag begießen. ZunĂ€chst mal nur in den jeweiligen Kehlen. GĂŒnther steuerte ein B0027JTCN8 bei : “Leitfaden fĂŒr Spieleerfinder und solche die es werden wollen.” Moritz wird Konkurrenz bekommen!
Lisi, eine junge Nachbarin, war heute auch mit von der Partie. Ihr Debut am Westpark hatte sie bereits in den neunziger Jahren des letzten Jahrtausends gegeben. Damals war sie halb so alt wie heute, aber schon durchaus ein ernsthafter Konkurrent bei unserem Patronatspiel “1830”. Ihr Lieblingsspiel praktiziert sie allerdings auf der Geige. Meisterhaft. Mit bereits vielen Debuts in allen Teilen Europas.
1. “Trans Europa”
Walter durfte erklĂ€ren. Kurz, knapp, zwingend! Einfach Spitze. Keine einzige RĂŒckfrage zu den Regeln, nicht mal von Lisi. So genial erklĂ€rt? Oder so genial verstanden?
Wir bauen Gleise von Madrid bis Moskau und von Sankt Petersburg bis Yspahan. Jeder fĂŒr sich und im Grunde doch alle gemeinsam. Sobald der erste Spieler seine fĂŒnf PflichtstĂ€dte verbunden hat, ist eine Runde zu Ende. FĂŒr alle Streckenabschnitte, die den Mitspielern zu ihren PflichtstĂ€dten noch fehlen, gibt es Minuspunkte. Wer nach mehreren Runden die wenigsten Minuspunkte hat, ist Sieger.
Zuerst spielten wir ohne die Expansion mit den privaten Gleisabschnitten. Sie bringt im Prinzip kein neues Element ins Spiel, sondern verlangsamt nur durch Einbau leicht-ĂŒberwindbarer Schikanen.
Nach drei Runden lagen wir immer noch alle dicht beieinander, und Aaron schlug vor, jetzt doch die Expansion hinzuzunehmen. Durch geeignetes Abschotten teuerer Bauabschnitte kann der am glĂŒcklichsten operierende Spieler den anderen noch ein paar zusĂ€tzliche Minuspunkte aufdrĂŒcken. Die Siegpunkt-Differenzen werden grĂ¶ĂŸer.
Nach wie vor ist die Frage ungeklÀrt, ob man besser im Zentralbereich oder in der Peripherie anfÀngt.
WPG-Wertung: Lisi bliebt mit 7 Punkten leicht unter dem bisherigen Durchschnitt.
2. “Dice Town”
Aaron muß noch eine Rezension schreiben. Da kommt jede Gelegenzeit zum Üben recht. Er durfte auch das Spiel erklĂ€ren, ist er doch “einer unser besten ErzĂ€hler, besonders, wenn er vorliest!”
Jeder muß sich mit SpezialwĂŒrfeln eine optimale “Pokerkombination” zusammenwĂŒrfeln. Anschließend wird – im Gegensatz zu Poker – nicht das beste Ergebnis bewertet, sonder alle BlĂ€tter (WĂŒrfelkombinationen) bringen ihrem Besitzer irgend etwas NĂŒtzliches ein: Goldnuggets, Dollars oder Sonderkarten. Entweder bekommt man das von der Bank oder man darf es von den Mitspielern stehlen. Wie lustig! Am Ende wird die gesamte zusammengeraffte Habe in Siegpunkte umgerechnet.
Die Fitzeligkeit , d.h. die Betrugsmöglichkeit mit dem heimlichen WĂŒrfeln und WĂŒrfel-Zusammenstellen ist nach wie vor ein deutlicher Kritikpunkt. Die Freude am randomisierten Chaos verebbt schnell, leider sehr viel schneller als die Spieldauer lang ist. Wie schon beim ersten Versuch brachen wir nach ca. 1 Stunde Spieldauer ab. Es tut sich nichts Neues mehr. Gleichförmiges WĂŒrfeln und den Mitspielern Sonderkarten Wegnehmen verliert am Westpark schnell seinen NĂ€hrwert.
Wir trösteten uns mit Aaron Cremant, so erfolgreich, daß auch diesmal wieder Tisch und BĂ€nke etwas davon mitbekamen. Wie diese Substanz dabei auch in Walters Augen geriet, ließ sich nachtrĂ€glich nicht mehr genau rekonstruieren. Wenigstens fand er dabei eine neue Wette fĂŒr Thomas Gottschalks berĂŒhmte Sendung: “Wetten, daß ich alle Schaumweine der Welt am Brennen in meinen Augen erkennen kann!”
WPG-Wertung: Lisi konnte auch mit gnĂ€digen 6 Punkten den WPG-Durchschnitt nicht ĂŒber die 5 Punkte-HĂŒrde heben.
3. “Wind River”
Aaron strapazierte wieder von vorneherein die geringen Kingmaker-KapazitĂ€ten dieses tadellosen strategischen Meisterwerkes des Jahres 2009. “Ich spiele so, daß ich möglichst schnell einen Spieler eliminiere” bekannte er, als sein auffĂ€llig asymmetrisches Agieren kritisiert wurde. Wen hatte er “zufĂ€llig” wieder als Opfer ausgesucht? NatĂŒrlich weder den heeren Strategen GĂŒnther noch den attraktiven Sonnenschein Lisi. Es war Walter, der selbst an seinem Hochzeitstag seinem Schicksal nicht entgehen konnte.
Der hielt (und hĂ€lt) diese Spielweise fĂŒr “bescheuert”, widerspricht sie doch dem Kantschen kategorischen Imperativ: “Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.” Wenn wir in “Wind River” alle danach streben wĂŒrden, möglichst schnell einen Spieler zu eliminieren, geht das sehr schnell gegen den schwĂ€chsten, der gegen die vereinigte Übermacht niemals eine Chance hat. Zumindest fĂŒr diesen wird das Spiel dann a priori frustrierend! Auch so kann man ein Super-Spiel kaputtmachen.
Walters Menetekel: “Du hast noch keine Wind River Partie gewonnen, du wirst auch in Deinem ganzen Leben keine mehr gewinnen. Solange ich mitspiele”.
WPG-Wertung: Lisi lag mit 8 Punkten ziemlich genau im WPG-Durchschnitt
4. “Flaschenteufel”
Walter durfte wieder erklĂ€ren. Ein Kartenspiel, das auf den ersten Blick chaotisch ablĂ€uft, das in seiner inneren Struktur aber klare logische Schlußfolgerungen erfordert. Dann kann man auch ĂŒberdurchschnittlich oft gewinnen.
Nach vier Spielen mit hohen UmsÀtzen hatte Lisi gewonnen. Lag es an ihrer spielerischen GenialitÀt oder lag es auch diesmal wieder an Walters genialem Regelvortrag?
5. “Bluff”
Mit einem umwerfenden LĂ€cheln auf den Lippen legte Lisi einen Riesenbluff aufs Parkett und schickte Aaron damit ins Grab: Vier WĂŒrfel auf einen Streich reduzierten seine Lebensflamme auf ein spĂ€rliches Flackern, das der nĂ€chste Windhauch gĂ€nzlich ausblies. Balsam auf Walters Wind-River-Wunden.
Keine neue WPG-Wertung fĂŒr ein Super-Spiel.